Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

Wenn die Mutter mit der Tochter

- 1. Juni 2012

Wie ich ja bereits ewähnt habe, stricke ich meiner Mutter, als Geschenk zu ihren runden Geburtstag, ein Twinset. Genaues Alter wird nicht verraten, steht unter strenster Geheimhaltung! Und da mir bei meinen derzeitigen Pulloverprojekt, wie erwartet, ein Teil der Wolle ausgegangen ist (ich wollte es bis zum Schluß allerdings nicht wahrhaben 😯 ) und ich die besagte Wolle nachbestellen mußte, habe ich mit dem Birthday gift begonnen. Das Top ist schon fertig 🙂

Wenn es darum geht meiner Mutter etwas zu stricken, entstehen immer sehr lustige Gespräche. Immer sehr herzlich, hat aber oft etwas sehr skurilles an sich. Die Szenen beim Maß nehmen hätte auch in einer Sitcom für Lacher gesorgt.

Aus dem Gedächnissprotokoll:

„Wie lange möchtest du das Top? Im Original ist es 56 cm lang“ Ich zeige meiner Mutter mit dem Maßband wo das Top enden wird. „Ich weiß nicht. Etwas länger wäre besser? Wenn ich eine schmale Hose dazu trage?“ Fragender Blick meiner Mutter „Das mußt du wissen. Wie lange ist den ein Top bei deinen Twinsets?“

Wir gehen ins Schlafzimmer, meine Mutter kramt etwas länger in ihren Kleiderkasten bis sie endlich ein lila Kaschmir Twinset heraus zieht. „Und das hat für dich eine optimale Länge?“ frage ich. Ich messe, es ist etwas länger als die Angabe in der Anleitung. „Das ist länger. Soll ich also das ganze länger machen?“ Meine Mutter schaut mich unschlüssig an „Ist es dann nicht zu lang?“ Ich bin zu diesen Zeitpunk schon ein klein wenig genervt. „Es ist dein Twinset, ich mache es so wie du es gerne magst. Also länger oder so wie im Heft?“ Wieder ein unschlüssiger Blick seitens meiner Mutter.

Zurück im Wohnzimmer ziehe ich das Heft hervor und blättere zu dem Bild des gewünschten Modells. „Schau, so schaut’s im Original aus. So kurz ist es gar nicht. Ich kann es aber auch länger machen“ Ich deute mit der Hand die Verlängerung des ganzen an. „Ja, aber ich will die Jacke schon länger als das Top“  Ein genervtes Händeringen von mir „Jaaaaa, dann wird die Jacke doch auch länger. Die Optik bleibt , wird nur insgesamt länger“ Ich schaue meine Mutter erwartungsvoll an  „Nein, mach’s so wie es da ist. So gefällt es mir am besten“ „Ok, dann so wie hier in der Anleitung“ Man möge sich meinen Gesichtsausdruck vorstellen….

Ok, warum frage ich meine Mutter eigentlich? Die gleiche Diskussion hatten wir auch bei der Farbauswahl.  Ich glaube, meine Mutter hat bei Stricken einfach keine imaginäre Vorstellungskraft. Wenn ich ihr einen fertigen Pulli hinhalte und sage „Probier mal, passt mir nicht o.ä.“  ist das nie ein Problem.  Und so wird es nie langweilig und ich verdrehe wieder mal genervt die Augen und muß dann doch anschließend lachen. Sie ist ja doch die beste, die Mama Zwitscherhexe 🙂 Ob ich mit meiner Tochter auch mal solche Diskussionen führen werde? Aber eigentlich führen wir die jetzt schon und man glaube ja nicht wie eine sechsjährige diskutieren kann, wenn es um neue Barbiepuppe & Co geht….Das Verhältniss Mutter-Tochter kann eine ganz spezielle sein 😉

Also, das Top ist fertig 🙂 Das Modell ist aus  Linea Pura No 5 und auch aus Lana Grossa Wolle gestrickt. Mir wäre das Garn zu dick, aber meiner Mutter gefällt es, dass es sehr weich und kuschelig ist. „Organico“ verstrickt sich nicht sehr optimal (es splisst fürchterlich), aber wird sehr gleichmäßig im Strickbild. Von der „Biolino“ (grünes Garn in der Mitte) bin ich allerdings überrascht. Dünner (5ply) und durch den Leinenanteil angenehm kühl. Daraus könnte ich mir auch was sommerlich leichte vorstellen. Ich verstehe ja immer noch nicht, warum Lana Grossa so dicke Sommergarne (10ply!!) herstellt. Völlig unsinnig. Die Anleitung ist sehr gut und ich mußte kaum was ändern. Nur beim Arm- und Halsausschnitt umhäkeln habe ich etwas herumgewerkelt. Zuerst Kettenmaschen, dann feste Maschen, dann Kettenmaschen und Krebsmaschen – gefiel mir alles nicht und es sind dann nur Krebsmaschen geworden.

Passt meiner Mutter wunderbar *freu* hat nur fünf Tage zum stricken gebraucht,  dafür 2 Tage zum trocknen (was in keiner Relation steht) und dieses nette kleine Etikett habe ich  zum ersten Mal eingenäht.

Jetzt muß noch die Jacke genadelt werden und es kann übergeben werden (und ich habe schon wieder zu wenig Wolle *stöhn*-was ist los bei mir??) Aber im Moment ist wieder ein Tuch auf den Nadeln 🙂

Modellinfos:

Patenttop aus „Linea Pura No.5“, 200g „Organico“ (100% Bio-Baumwolle 90m/50g) und 100g „Biolino“ (60% Bio-Baumwolle 40% Leinen 115m/50g), Größe 36/38 mit 4,5 mm Nadeln gestrickt

Gehabt euch wohl

Eure Bettina

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9 responses to “Wenn die Mutter mit der Tochter

  1. papier&faden sagt:

    Aus deinen Worten entnehme ich, daß deine Mutter selbst nicht strickt? Von wem hast du es dann gelernt und strickt deine Tochter auch schon? Allerdings meine ich mich zu erinnern, daß du irgendwann mal erwähnt hast, daß das in ihrem Alter für sie noch zu „altfrauenhaft“ sei. Macht sie stattdessen irgendwas anderes handwerkliches? Perlen fädeln, Freundschaftsarmbänder knüpfen und sowas, war in meinen Mädchenjahren mal was sehr angesagtes für einige Zeit. Das war allerdings doch schon so um die 10 Jahre rum. Gibt ja immer so verschiedene Phasen, gerade bei Mädchen-Freundeskreisen. Monatelang wird dann ein und dieselbe Tätigkeit exzessiv praktiziert (mit 6 war das in meinem Freundeskreis Gummihüpfen, glaube ich mich zu erinnern). Schlagartig ist es dann vorbei und etwas neues folgt. Aber jetzt komme ich vom Thema ab – wie üblich.
    Oberteil finde ich auf jeden Fall wirklich hübsch, wohl gerade weil es in schlichtem Muster gehalten ist (also nicht „schlicht“ im Sinne von „langweilig“). Wird die Jacke dann auch so? Farben sind klasse. Momentan habe ich sowieso einen kleinen Grüntick ohne daß ich das bewusst steuere. Was immer ich auch anschaue, gibt es das in verschiedene Farben, fällt mein Blick automatisch zuerst auf die Grüntöne.
    Daß du jetzt Etiketten hast, finde ich super. Kenne das nur von etwaigen, mir unbekannten Bloggern. Jetzt kenne ich endlich eine Etiketten-Benutzerin genauer 🙂 Hast du dir die gleich in Großmengen zugelegt oder für den Anfang erstmal in überschaubarer Anzahl? Im Netz bestellt? Hoffe, es sind nicht solche, die im Nacken immer pieken, so daß man sie recht schnell raustrennt 😉

  2. tatalja sagt:

    Ach wie schön und was für eine tolle Geschichte, ich liebe Sachen mti Vorgeschichte! Und grün liebe ich auch, also geht es mir hier wie Steffi „Momentan habe ich sowieso einen kleinen Grüntick ohne daß ich das bewusst steuere.“ Liegt am Sommer?
    Eine Beziehung zwischen Mutter und Tochter kann wirklich etwas wunderbares sein, vor allem wenn man irgendwie auf einer Wellenlänge ist.

    • papier&faden sagt:

      Liegt am Sommer?
      Zum einen ist es vielleicht so, daß Grün sowas universelles ist. Grün kann warm wirken, aber auch frisch. Grün verbinden wir mit Natur, man kann es zu und für alle Jahreszeiten verwenden (selbst im Winter, siehe Weihnachtsbaum und dererlei). Grün kann leuchten, aber auch dezent im Hintergrund bleiben. Grün bringt in vieles Frische, ist gleichzeitig auch eine bodenständige Farbe. Und so weiter. Und klar, biologisch gesehen, brauchen wir Menschen Grün. Photosynthese in den Chloroplasten von Pflanzen ist das Thema. Ohne Grün kein Leben, könnte man sagen.

      • Grün gehört auch zu meinen Lieblingen:) Spricht mich auch immer gleich an.

        Meine Mutter kann stricken, aber sie sagt immer,es mache sie eher nervös;) Sie strickt auch schon seit Ewigkeiten an einen Schal lol
        Die Grundlagen habe ich in der Volksschule gelernt, den Rest dann autodidakt gelernt. Meine Oma war eine begnadete Strickerin und Häklerin. Ich muß einmal die traumhaften Häkeltücher, die ich noch von ihr habe fotografieren. Um von ihr zu lernen, hat sie leider viel zu weit weg gewohnt. Hat aber meine Fertigkeiten immer sehr gelobt:)
        Meine Tochter ist noch etwas zu jung fürs stricken, aber jetzt kommt sie in das Alter um es zu lernen:) Mal schauen ob sie auch mag. Interessant findet sie es. Der das doof findet ist mein Sohn lol. Fürs Mädl strick ich auch gerne, es muß halt rosa und prinzessinenhaft sein. Wenn die Kinder noch sehr klein sind, dann kann man ja stricken was man selbst toll findet, geht aber jetzt nicht mehr so;) Und man mag es nicht glauben, der Bub hat sich jetzt doch glatt auch was gefunden. Ob er das dann auch anzieht?
        Mädi bastelt gerne, das machen wir dann zusammen.

        Haha, Gummihüpfen habe ich auch total gern gemacht und Freundschaftsbänder knüpfen. Sehr lustig:)

        Und danke für die Komplimente *freu*

  3. Nadelpoesie sagt:

    Sieht schön aus! Ist auch genau meine Farbe. Zum Glück wohnt Ihr weit genug weg *lach*

    Für meine Mutter habe ich noch nie was gestrickt, das machte sie bisher selber – aber sie liebäugelt mit einem Tuch, das ihr selbst zu kompliziert ist…

    Dan bin ich ja mal auf das Endergebnis gespannt

    Liebe Grüße
    Petra

  4. Liebe Bettina,
    ein tolles Stück ist Dir da wieder gelungen, ich bin gespannt, wie es mit dem passenden Jäckchen dazu aussieht. Auf den Fotos wirkt das Garn zielich voluminös. Macht das nicht unglaublich warm – gerade bei einem Stück für die warme Jahreszeit?
    Ich finde es total super, dass Du was für Deine Mutter strickst, ich mache das auch gerade. Sie hat mir unzählige Paar Socken gestrickt und jetzt kann ich mich auch mal revanchieren 🙂
    Viele Grüße
    Tee & Kekse

    • Danke schön 🙂

      Ja, du hast recht das Garn ist recht dick. Für mich auch zu warm, aber meiner Mutter macht sowas nichts. Ihr wird nicht leicht heiß. Für die Übergangszeit ist die Wolle allerdings schon gut geeignet. Ist sehr kuschelig und weich 🙂

      Eine sockenstrickende Mama zu haben ist dochh immer sehr gut *lach*

  5. Eva sagt:

    Ohh wow,

    das wäre genau das richtige für meine Mutter 🙂 Doch leider kann ich nicht striken 😦 was in diesem Falle wohl unter dumm geklaufen abgehakt werden kann!

    LG

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