Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

Wer im Sattel sitzt muß auch fallen können

- 11. Juli 2012

Ich bin vom Pferd gefallen, besser gesagt ich wurde abgeworfen. Und nein, ich bin unversehrt und heil geblieben. Mein Ego ist zwar etwas angekratzt aber ansonsten bin ich unverletzt geblieben. Glück gehabt, ohne Helm ins Gelände und das ist nun nicht gerade nachahmungswert.

Mein Wallach namens Rainbow, nun er kann wohl nicht ohne seine Frau, schreit nach ihr, will ständig umdrehen, sieht überall Gespenster und ist voller Übermut. Ein paar kleine Dressurübungen haben anfangs etwas geholfen, aber eine Minute mit den Gedanken woanders und schwupps hat der Herr seinen Kopf zwischen den Vorderbeinen gesteckt und los ging die Buckelei. Keine Chance für mich, nicht im Dressursattel und nicht ohne anständigen Beinwerk zur Stabilisierung im Sattel (ich hatte nur Schühchen an, keine Stiefel). In so einen Fall lasse ich mich dann einfach bewußt fallen, den Kopf kann man so besser schützen und es passiert auch wesentlich weniger. Selber schuld bin ich. Elegancija ist eine Perle, ruhig, besonnen und ich kann ihr vertrauen. Ohne Sattel? Kein Problem. Nur mit Top und Leggings am Pferd? Auch kein Problem. Auch nicht gerade nachahmungswert, aber diese Stute ist mein Lebenspferd (ich denke, dass es so etwas wie einen Lebensmenschen auch bei Tieren gibt) und die Chemie passt hier perfekt. Ich habe sie aufgezogen und das Mädl vertraut mir.

Anders bei Rainbow, wir hatten einen schwierigen Start, uns verbindet eine ungewöhnliche Geschichte, die ich einmal hier erzählen werde und es passt deswegen nicht immer zwischen uns. Er ist ein super Dressurpferd, wir beherrschen Lektionen wie Traversalen und fliegende Galoppwechsel. Da ist er ein Schatz, als hätten wir gerade in dieses Disziplin zueinander gefunden. Da haben wir keine Differenzen. Bei Erlernung von verschiedenen Zirkuslektionen ging meist alles schief (Stuti kann da eine Menge!) Im Gelände, ohne Stute an seiner Seite, ist es schwierig mit ihm. Und er spürt hier auch meine Unsicherheit. Und das verträgt er nicht, Rainbow braucht meine Selbstsicherheit um sich selber zu vertrauen. Und das kann ich ihm anscheinend nur im Dressurviereck wirklich geben. Meine eigene Dummheit und „ah, wird schon gehen“ führen dann zu solchen unglücklichen Blödheiten.

Wer sich jetzt wundert, wie ich über meine Pferde spreche, dem sei gesagt das die Bindung zwischen einen Pferdemenschen wie mich und diesen großen Tieren ein sehr intensive und innige sein kann. Pferde sind mächtige und schwere Wesen, sie sind vorallem Fluchttiere und im Ernstfall habe ich keine Chance. Selbst ein Shetlandpony würde mich quer über die Wiese ziehen, so viel Kraft steckt in ihnen. Ich kann nur mit Körpersprache und mit dem intensiven Auseinandersetzen mit der Psyche des Pferdes dem entgegenwirken. Und daraus entstehen dann solch ungewöhnliche Verbindungen. Ich habe eine sehr eigene Herangehensweise an das Reiten und die Pferde. Ich bin keiner dieser Reiter, die nur oben sitzen und sich nicht in das Pferd hineinversetzen können. Ich suche die Verbindung, das Vertrauen. Und ich bin hier nicht mehr die einzige. Heute ist das Verständnis Mensch/Pferd ein anderes geworden. Und das ist gut so. Und trotzdem passieren Unglücke, nur weil man sich in seiner eigenen Selbstverständlichkeit so sicher ist. Ich habe aus diesen Vorfall gelernt, wieder mehr hinzuhören und nicht alles anstandslos hin zu nehmen.

Hmmm, ich muß noch hinzufügen, dass der Herr nach der unfreiwilligen Trennung NICHT stehen geblieben ist. Nein, er ist ab durch die Felder schnell aus meiner Sicht verschwunden. Schrecksekunde, denn die Schnellstrasse ist nicht allzuweit entfernt. Den Hügel bin ich also hinunter gegangen (laufen ist hier sinnlos, das Pferd ist auf jeden Fall schneller) und da sah ich ihn stehen, aufgeregt und unsicher. Doch noch ein weites Stück entfernt. Keine Panik nur beten, das er auch stehen bleibt. Weit gefehlt, ein kleines Geräusch und weg war er wieder. Eingefangen habe ich ihn dann bei den ersten Koppeln des Stalles, seelenruhig grasend stand er bei einer Gruppe von Pferden. Das Zaumzeug war nur mehr teilweise vorhanden. Rainbow ist sich wahrscheinlich darin verfangen und das Leder ist gerissen. Ich habe mich geärgert, den die fehlende Trense ist teuer und schwer zu bekommen. Ein Reiterkollege, der mir schon vorher über den Weg gelaufen ist, hat sie aber gefunden und hat sie mir gleich hinterher gebracht! So ein Schatz, danke dir 🙂

So, das nächste Mal machen wir es besser, mein liebes Pferd 🙂 Denn hergeben würde ich dich um alles Geld der Welt nicht!

Gehabt euch wohl

Eure Bettina

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2 responses to “Wer im Sattel sitzt muß auch fallen können

  1. Katja sagt:

    Na, die Geschichte hat seine Schrekcen, aber ist auch ein wenig lustig zu lesen… ich reite auch, und manchmal ueberraschen uns die Vierbeiner mit ihrer Eigenheit, und dafuer schmunzle ich schon. Es ist nie lustig, wenn es einem gerade passiert… vielleicht laechelst du heute schon drueber…frohes Reiten!

    • Hallo Katja,

      danke für dein nettes Kommentar:)
      Am Anfang stand ich schon ein wenig unter Schock und war kreidebleich, aber alles schon wieder vergessen und ich lache selbst über die Geschichte! Reiten und unserer Pferde überraschen uns doch immer wieder 😉

      LG Bettina

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