Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

Herkunft von Rohstoffen zur Garngewinnung

- 6. Oktober 2014

Ist es wichtig zu wissen woher meine Wolle kommt? Ich finde schon. Leider ist nicht immer nachvollziehbar, woher große Garnfirmen ihre Rohstoffe beziehen. Es gibt internationale Warenbörsen für Rohwolle. Wie bei Kaffee oder Tee wird hier aus allen Ecken der Welt der Rohstoff eingekauft, gehandelt, weiter verkauft. Es geht durch Zwischenhändler, über zahlreiche Spinnerein bis es über die Garnriesen in unseren Haushalten landet. Woher diese Wolle stammt ist nicht mehr nachzuverfolgen.

Ist die Merino wirklich mulesingfrei? Werden die Angorahasen wirklich nur gebürstet? Werden die Tiere artgerecht gehalten? Alles Fragen, die viele von uns beschäftigen. Zu Recht, wie ich finde.

Ich mag Angorawolle. Aber ich will aber keine Angorawolle von gequälten Häschen aus China. Was tun? Ich könnte Angorawolle nicht mehr kaufen und verstricken. Wäre eine Möglichkeit. Ändert aber nichts an den Qualen von in China gehaltenen Tieren. Eine ähnliche Situation wie beim Fleischkonsum. Ich will kein Fleisch von Hormon und Antibiotika vollgepumpten Tieren, die auch noch ein qualvolles Leben hinter sich haben. Also werde ich zum Vegetarier oder Veganer. Ändert auch nichts an der Situation in der Massentierhaltung. Ich esse gerne Fleisch und Milchprodukte. Meine Lebensqualität will ich mir mit veganen Essen nicht verderben. Meine ganz persönliche Lebensqualität. Soll jeder machen wie er glaubt. Da bin ich ganz tolerant. Ich möchte aber auch kein Tier leiden lassen für meine Fleischeslust.
So greife ich zu Biofleisch. Direkt vom Bio- Bauern oder beim Fleischer meines Vertrauens. Damit fördere ich aktiv bessere Lebensbedingungen von Nutzvieh.

Bei Wolle kann ich ähnlich verfahren. Oft kein leichtes Unterfangen, keine Frage. Oft muß man sehr viel lesen, suchen und nachfragen, um herauszufinden woher der Rohstoff stammt.
Es gibt schon Bio-Merino von Rosy Green Kleine Firmen wie Finkhofwolle und John Arbon Textiles, Wolle aus Deutschland und England, überschaubar und nachvollziehbar. Brooklyn Tweed, auf der Banderole steht wo dieses Schaf lebt (kein Scherz!) Immer noch keine Garantie, aber immerhin ist die Herkunft besser nachzuvollziehen. Und man hat eine bessere Chance, durch nachhaken zu erfahren, woher den nun die Rohwolle stammte und ob das auch tiergerecht zuging. Bei Garnriesen bekommt man oft keine Antwort oder wird mit Standardsätzen abgespeist. Nicht sehr Vertrauenswürdig.

Nochmal zu der Angorawolle, die mir besonders am Herzen liegt und wer einmal Bilder aus China gesehen hat, der kann das schlecht wieder vergessen. Französische Angorawolle gibt es bei Filature du Valgaudemar. Aslan Trends bezieht seine Wolle aus Argentinien, wo die Hasen gebürstet werden. Hier die kleine Firma Angora Garment wo es sicher keinen Haserl schlecht geht.

Wenn ich mir so den Inhalt meinen Stash ansehe, dann stelle ich fest, dass ich früher nicht sehr über dieses Thema nachgedacht habe. Jetzt kaufe ich immer mehr von den Kleinen, den Bio-Wolllieferanten, von den jenigen, denen ich auch vertrauen mag und hoffentlich auch kann.
Klar lasse ich mich auch immer wieder von den großen Firmen verführen, weil die kuschelige Wolle ach so schön ist. Oder schlage schon mal bei günstiger Wolle zu. Wo es noch unwahrscheinlicher ist, dass ihr auf saubere Rohwolle wert gelegt wird. Und ich kaufe auch hin und wieder „normales“ Fleisch, weils manchmal einfach nicht anders geht. Aber niemand ist perfekt und ich bin auch nur ein Mensch. Ich möchte auch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herum wedeln, nur zum umdenken und nachdenken anregen.

Denn jeder kann etwas beitragen, ohne gleich mit einer Herde Schafe und einen Spinnrad in einer Höhle zu sitzen und sich von ein paar Körner und Wurzeln zu ernähren.
Es ist nun mal eine Tatsache, dass seitens der Produzenten nur ein Umdenken stattfindet, wenn wir als Konsumenten vermehrt auf transparente Produkte zurückgreifen.

image

Und wie steht ihr zu diesen Thema?

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

Advertisements

2 responses to “Herkunft von Rohstoffen zur Garngewinnung

  1. Anneli sagt:

    Liebe Bettina,
    schön, dass Du das Thema ansprichst. Ab und zu braucht die Strickwelt auch mal ein ernstes Thema. Ja, ich finde es gut zu wissen, wo meine Wolle herkommt und mir liegt die Haltung der Tiere sehr am Herzen. Obwohl ich schon lange stricke, waren mir bislang eigentlich nur die großen Garnhersteller bekannt. Ich finde es hilfreich, dass Du kleinere Firmen vorstellst und werde sicher in Zukunft dort häufiger kaufen. Leider gibt es noch ein umfangreiches Lager, was abgebaut werden muss (Du kennst das Problem ja). Dort lagert auch noch ein Paket „Angora Haze“ von Rowan. Dann kam dieser Bericht über die chinesischen Angorakaninchen. Zum Glück habe ich nur davon gehört und den Bericht nicht gesehen. Ich kann das nämlich überhaupt nicht ab und ganz sicher hätte ich vom Kauf dieses Garns abgesehen. Da Rowan die Produktion schon nach einer Saison eingestellt hat, glaube ich, dass die Herkunft nicht ganz astrein war. Ich denke, mit meinem Knudegarn habe ich den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht.
    Liebe Grüße,
    Anneli

  2. Liebe Bettina 😉
    habe durch Zufall beim Stöbern, deine Seite hier gefunden und finde sie sehr interessant. Da ist ja soviel zu lesen, dass ich länger brauchen werde, ganz bestimmt ist das so 😉 , um die ganzen Beiträge zu lesen. Also drücke ich dann mal schnell noch oben den „ich folge dir- Knopf“

    Lasse dir für heute liebe Grüße hier und komme wieder, wenn ich darf, um weiter zu lesen
    Heike

Freue mich über jeden Gedanken

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: