Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

Ribbelmania

- 23. Januar 2015

Die letze Naht ist geschlossen, Knöpfe sind angenäht und das gute Stück muß nur noch gewaschen und ein bisschen gespannt werden. Stunden saß man strickend da und freute sich auf das erste Ausführen.

Allerdings sehe ich in der Jacke oder Pullover mehr breit als hoch aus, der Busen zu üppig, die Hüften zu breit und der eine Knopf spannt verdächtig. Es könnte etwas länger sein oder die Schultern schmäler. Egal welches Shirt oder welche Bluse darunter getragen, egal welche Hose oder Rock, es ändert nichts an dem grauenhaften Ergebnis! Das Teil ist mißlungen! Passt nicht, steht mir nicht und ich werde es vermutlich nie tragen!
Kennt ihr sowas? Vermutlich schon 🙄

Klar habe ich das unfertige Strickstück anprobiert, mich mehr oder weniger kritisch im Spiegel betrachtet. Aber oft fehlt der wirklich, also der so wirklich, echte kritische Blick und unfertig sieht ja oft komisch aus. Selbst mit sehr viel Erfahrung, kann ich nicht immer 100% voraussagen, ob ich mich in den Teil auch wohlfühlen werde. Bei komplizierten und ungewöhnlichen Konstruktionen ist die optimale Passform oft eine unlösbare Angelegenheit und dann geht das ganze Experiment in die Hose.

Da hilft dann alles nichts, es muß geribbelt werden! Das Grauen jeder Strickerin. Bei mir muß das misslungene Unding immer etwas abliegen, bevor es das zeitliche segnet. Gleich nach der Fertigstellung bringe ich das Vernichten nicht übers Herz. Auch wenn ich darin aussehe wie Quasimodo, es ist doch mein Baby in das ich viele Arbeitsstunden gesteckt habe.

image

Das waren einmal ein gestreiftes Kleid. Aus einer Rebecca. Liegend sah es toll aus, keine Frage. Mit ungewöhnlichen quer laufenden breiten Streifen. Pfuh, ich sah darin aus wie eine italienische Matrone mit unglaublich breiten Hüften! Oder wie der Hintern meines (durchtrainierten) Pferdes. Was bei einem Dressurpferd wünschenswert ist, will ich an mir nicht sehen. Einfach grässlich! Als hätte ich zuviel Pasta gefuttert (oder anstrengende versammelnde Dressur- Lektionen absolviert. Ohne Pferd) Und ich bin ohnehin nicht der knabenhafte Typ von Frau. Ein Jahr lag es im Schrank, jetzt ist es Geschichte und ein lässiger Streifenpulli kommt sicher auch gut :mrgreen:

image

Es war einmal ein Pulli mit Polokragen und schlichten Muster aus einem sehr schöner Baumwoll/Seidenmischung in einem leckeren Karamell-Ton. Der ist auch längst nur mehr ein flüchtiger Gedanke. Da habe ich bei der Passform derart geschlampt, zu kurz, zu weit, Ärmel saßen schlecht. Da half alles zerren und zurecht rücken nichts. Weg damit! Hat allerdings auch ein gutes Jahr gedauert, bis der Pulli zu Grabe getragen wurde.

image

Hier nun das aktuelle Ribbelprojekt. Feinster Kaschmir im Gewand einer für mich unvorteilhaften Jacke, wieder zu kurz und zu gerade geschnitten. Ich sah damit mehr breit als hoch aus. Der klägliche Rest wird auch noch aufgetrennt und zur Haube und Cowl verarbeitet. Für eine ordentlich lange und weite Outdoorjacke ist es zu wenig Garn und für ein kleines Jäckchen mit 3/4 Ärmel ist die Wolle zu dick.
Das ist mein allererstes Kaschmirgarn, dass ich mir geleistet habe. Da ich meine gekauften Kaschmirpullover liebend gerne trage, mußte es auch mal was handgestricktes sein. Nun, das ist wohl etwas daneben gegangen 🙄
Die Jacke hatte ich nie, aber auch wirklich nie an! Ein sehr teure Schrankleiche. Ein Wunder, dass die Motten nie zum Festmahl aufgerufen haben.

Um mal auf Holz zu klopfen, allzu oft passieren mir solche Maleure nicht. Manchmal arrangiere ich mich mit zu viel Weite oder zu wenig Länge. Ist es halt ein Kuschel-auf dem Sofa-total bequem Pulli. Oder ein langes Shirt darunter kaschiert schon mal die fehlende Länge. Fehlende Länge ist wohl ein Generalproblem von mir. Wohl zu faul um noch 5-10 cm dranzuhängen. Aber wenn ich schon alle 5min nachmesse…. Aber solange ich mich darin leiden kann und mich wohlfühle, ist alles gut. Bin ja auch nicht perfekt. Aber manchmal ist das Ribbelmonster einfach nicht aufzuhalten und kommt auf leisen, bösen Füssen um uns zu erschrecken.

Und ribbelt ihr oft? Bekommt ihr die Passform immer hin oder gibt es bei euch auch Teile, wo ihr nach einen Blick in den Spiegel am liebsten schreiend davon rennen möchtet?

Leider habe ich ja letztes Jahr eine Jacke produziert, worin ich aussehe wie mit 500 kg mehr auf den Rippen. Ich will eigentlich gar nicht drüber reden (Stricktrauma!), sie ist ja so schön und die Wolle ein Traum. Ich könnte allerdings den Spiegel vernichten wenn ich mich darin betrachte. Ich bin in Stricktrauer und irgendwann, ja irgendwann…..wird sie auch geribbelt!!!!!!

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

Advertisements

7 responses to “Ribbelmania

  1. Retro-Masche sagt:

    Gröööööhl … den durchtrainierten Pferdehintern muss ich mir unbedingt merken …. nur kann ich leider meinen einen mit so gar nixen schlank stricken. 😀
    Nein, ich ribble nicht …. nur wenn ich schon in den Anfängen merke „dat wird nöscht“. Ansonsten wird das fertige Stück entweder verschenkt … wofür meine Mum sehr gerne bereit ist das Opfertier zu spielen … oder aber es wander zuerst in den Schrank … dann in den Keller zu den anderen selbstgemachten Kleidungsstücken die ich schon länger nicht mehr trage und einfach nicht wegtunkann … weil eben selbstgemacht …. und irgendwann landet es dann doch im Kleidercontainer. Aber ein ganzes Strickstück … never ever … und bisher hat es GsD auch noch keine allzuteure Wolle erwischt, sodass ich es unter „Lehrgeld“ verbuchen konnte. 😉

    Grüßle Steffi

  2. lusyl sagt:

    Klar, wer kennt das nicht. Eine Jacke habe ich mal mit einem Ärmel anprobiert und auch fest gestellt, dass daran gar nichts passt. Da hab ich die Stricknadel aus dem 2. Ärmel gezogen und den Ärmel geribbelt. Den schon zusammen genähten Rest habe ich in die Mülltonne entsorgt, ok, die Wolle war nicht so teuer.
    Manchmal suche ich auch nach neuen Besitzerinnen. Vielleicht passt es ja jemand anderem hervorragend. Auftrennen ist für mich die allerletzte Lösung, zumal ich auch nicht gerne mit geribbeltem Material stricke.

    LG

    Sylvia

  3. Tyche sagt:

    Ich trenne wieder auf, erbarmungslos, auch zum 3. Mal! Denn ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich mich über schlecht geratene Stücke bei jedem Tragen ärgere – oder sie gar nicht erst anziehe. Ich trenne auch Stricksachen auf, die nicht mehr modisch sind, das Material aber noch völlig in Ordnung ist. Nur ein Angorapullover, ungetragen, ruht noch. Kann man Angora auftrennen? Hat jemand Erfahrung? Es handelt sich um ein Anny Blatt Modell aus den 80ern,
    Materialpreis etwa € 300,–
    Das aufgeribbelte Garn wickle ich um ein Brett, spanne es, und irgendwann wird etwas Neues daraus – seit ich die Strickideen von Horst Schulz kenne, fällt mir auch immer etwas ein.
    Ein abgeschlossener Mißerfolg ist auch ein Erfolg – also ribbeln!
    Muß man z.B. beim Erlernen eines Musikinstrumentes nicht auch immer wieder von vorne anfangen? Oder beim Dressurreiten? Beim Tanzen? Nur liegen da die Übungsstücke nicht raumgreifend im Kleiderschrank…
    Einmal tief Luft holen und „Faden los“
    liebe Grüße
    Tyche

  4. streepie sagt:

    Besser „Reissleine ziehen“ bzw ribbeln, bevor man sich ewig ärgert. Und das Garn bekommt so eine 2. Chance, und kann was ganz tolles werden.

    Den Hintern des durchtrainierten Pferdes kenne ich von meiner Oma als „ein A…. wie ein Ackergaul“. Sie hat selten ein Blatt vor den Mund genommen 😉

  5. Millefila sagt:

    Gerade habe ich auch wieder einen kompletten Pulli aufgeribbelt. Beim Stricken kam er mir eigentlich schon zu locker vor und nach dem Waschen war er dann noch mindestens 10 cm länger als vorher. Ich hab‘ mir fürchterlich geärgert, dass ich ihn überhaupt zu Ende gestrickt habe. Aber was soll’s, kurzer Prozess, dann geht’s halt nochmal von vorne los. Das Ergebnis soll schließlich passen und muss tragbar sein. 🙂

    Liebe Grüße
    Susanne

  6. Anneli sagt:

    Liebe Bettina,
    das sind ja ganz ungewohnte Töne von Dir! Aber ich verstehe Dich. Jeder hat doch irgendwelche Schrankleichen produziert. Wenn ich beim Stricken merke, dass ich mich geirrt habe und es doch nicht das Richtige ist, wird geribbelt. Ist das Projekt allerdings gespannt und zusammengenäht, geht es in den Sack. Ja, ich kenne den Herzschmerz. Man hat Zeit und Geduld investiert und auch schönes Garn und es hat nicht funktioniert. Aus den Augen aus dem Sinn – heißt dann mein Motto. Es kommt bei mir aber mittlerweile sehr selten vor. Genau wie Du habe ich keine Freude an Projekten, die nicht perfekt sitzen oder schlichtweg unvorteilhaft sind. Ich hoffe, Deine Stricktrauer ist bald überwunden. Du machst so tolle Sachen, da ist das Ribbelteil doch morgen Schnee von gestern!
    Liebe Grüße,
    Anneli

  7. Sue sagt:

    Ich überlege seit Monaten einen gewissen Pulli zu ribbeln und dieser Post ist einer der Gründe, weshalb ich mich letztendlich dazu entschlossen habe.
    Ich musste ihn bereits einmal komplett ribbeln und einmal teilweise. Dazu kommt, dass einige Stellen irgendwie doch weniger schön aussehen, als sie es könnten und eine Freundin mir erzählt hat, dass sie das selbe Garn bereits verstrickt hat und es schnell die Form verliert udn abgetragen aussieht. Da möchte ich mir nicht die Mühe machen und ewig daran stricken, wenn ich zum einen jetzt schon unzufrieden damit bin, wie er aussieht und absehbar ist, dass das fertige Stück bald abgelebt aussehen wird.

    Danke für den Post, ich bin froh, dass mal einer darüber redet. Das klingt fast, als hättest du ein Tabuthema angeschnitten 😀 Aber ich für meinen Teil sehe überall nur toll gelungene, fertige Stücke und da steigt bei mir irgendwie die Hemmschwelle zu ribbeln. Die anderen stricken ja auch immer fertig, also muss ich die Zähne zusammenbeißen, scheine ich unterbewusst zu denken.

    Aber es gibt nun mal Stücke, bei denen Aufribbeln doch die richtige Entscheidung ist.

Freue mich über jeden Gedanken

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: