Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

11 Gründe, warum ich so gerne stricke

- 5. Mai 2015

Nummer 1:
Mir wird garantiert nie langweilig. Egal wo ich bin, wo ich sitze oder stehe.
Lange Zugfahrten werden zum Vergnügen, den da kann ich meinen liebsten Hobby ungehindert frönen und die Zeit verfliegt wie im Flug. Apropos Flug! Das gleiche gilt für lange Flüge (falls ich das Nadelzeugs ungehindert durch die Kontrollen bekomme…..)
Das Wartezimmer beim Zahnarzt wird zur Strickstube und ich winke den nächsten in der Reihe durch „Ach, diesen Mustersatz muß ich jetzt noch zu Ende stricken. Gehen sie nur und lassen sie sich mit dem Bohrer quälen.“
Verregnete Sonntage werden begrüßt und die Pferde können ihre Weide genießen, ohne das ich ungeduldig auf die Uhr sehe oder mir überlege, ob ich schnell nach Hause fahren soll und dann wieder retour. Ich habe ja mein Strickzeug und mein Parkbänkchen.

Nummer 2:
Ich bin immer entspannt.
Das stetige Klappern der Nadeln und das rhythmische Abstricken der Maschen sind wie Yoga. Nur mit dem Vorteil, dass ich mich nicht verrenken muß und in überfüllten Yoga-Kursen herumsitze (was ja auch nicht wirklich zur Entspannung beiträgt)
Ich bin eine entspannte Mama und eine ruhige Partnerin (hoffe ich mal…. 🙄 ) Ein strickendes Urgestein, dass nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Außer vielleicht eine falsch herumgezopftes Muster in Reihe 6 wenn ich schon bei Reihe 40 bin. Aber das ist eine andere Geschichte….

Nummer 3:
Ich mache mir meine Mode selber.
Ist mir doch wurscht, was gerade so in ist! Welche Farbe besonders hipp oder gefragt ist, geht mir an der Hutschnur vorbei. Ich habe einen farbenfrohen Stash, jede Menge Anleitungen aus sämtlichen Jahrzehnten und einen Kopf voller Ideen.

Nummer 4:
Stricken hält fit.
Jedes Enträtseln einer Anleitung, jedes Folgen eines Mustercharts und jede Berechnung ist wie Gehirnjogging. Gut, manchmal entsteht ein Knopf im Hirn oder man vergisst plötzlich die Grundrechnungsarten und der Dreisatz wird zu einer Art Schrödingergleichung. Aber es bewegt die grauen Gehirnzellen. Und die des Mannes, der wie aus dem Off heraus, die Lösung der Rechnung unerwartet parat hat. (Die ich vorher in einer Art von Selbstgespräch, vor mich hin gemurmelt habe)

Nummer 5:
Ich kann und darf ohne schlechtem Gewissen, etwas kaufen oder bestellen.
Nämlich Wolle! Den ich gebe ja Geld für das Hobby aus und nicht für nutzloser Kram, der nach fünf Minuten in der nächsten Ecke liegt. Denn was tun wir Frauen wirklich am liebsten? Einkaufen! Zuviel Schuhe fallen nach einer gewissen Zeit auf, den wer braucht schon ein hundertstes Paar Schuhe? Zumindestens kann dieser Umstand dem lieben Ehegesponns oder Lebensabschnittsgefährten schwer klar gemacht werden. (Oder das ‚Lebensabschnitt‘ wird schnell zur Realität…)
Wollkauf kann ich noch gut argumentativ verteidigen (Jaja, ich bin ein Meister der Selbsttäuschung 🙄 )

Nummer 6:
Ich spende anderen Menschen Freude.
So schön es ist, für sich selbst Dinge zu stricken, so viel mehr Genuss bereitet es mir, andere zu beglücken. Mit einer Mütze, einen tollen Tuch oder einer schicken Jacke. Alles Unikate und mit viel Liebe gemacht.
Und ich werde in Zukunft nicht ganz so schnell in einen Wust von Jacken, Pullis und Tüchern versinken. Oder die Schranktür nicht mehr zubekommen

Nummer 7:
Ich habe durchs Stricken viele nette Leute kennengelernt. Stricken verbindet, in manchen finde ich mich wieder, viele bringen mich auf interessante Ideen oder über den ein oder anderen muß ich  einfach nur schmunzeln (ob seiner lustigen und liebenswerten Eigenarten). Ich habe an der Entstehung von Anleitungen mitgewirkt, durch viele von euch tolle Garne kennengelernt und stricktechnisch viel dazu gelernt.
WO sonst gibt es ähnliches?

Nummer 8:
Kreativität!
Ich kann und darf mich entfalten. Ideen ausleben, Muster zusammenstellen oder Anleitungen komplett abwandeln. Es fließt und macht den Kopf frei. Ich erschaffe mit meinen Händen etwas einmaliges und vorher so noch nie dagewesenes. Formen und Farben, die bisher in meinen Kopf gelebt haben, werden zur Realität. Und in jedem Strickstück steckt ein klein wenig meiner selbst.

Nummer 9:
Wolle ist eine gute Investition.
Als Frau vom Fach, kann ich nur zu Wollmeisen, Madelinetosh und Plucky Knitter als alternative Anlagequelle raten. Verlieren nicht ihren Wert, man kann sie anfassen und auch noch was schönes daraus stricken. Und zum Ersatzkuschelpartner taugen sie allemal. Wer braucht schon Aktien und Investmentfonds, wenn es Wollmeisen gibt!

Nummer 10:
Falls ich jemals meinen Mann los werden will, stelle ich einfach das halbe Haus mit Wollkisten voll und parke auf sämtlichen Sitzgelegheiten ein Strickzeugs und stricke 12 Stunden am Tag. Vorher habe ich das gesamte Vermögen in Wolle, Stricknadeln und Anleitungen angelegt (wo es ja gut angelegt ist….)
Kaum ist das passiert, werden mir schon  die Scheidungspapiere ins Haus flattern. (Das Sorgerecht für sämtliche Wollvorräte bekomme natürlich ich!)

Nummer 11:
STRICKEN MACHT EINFACH SPASS!!!

In diesen Sinne noch viele Jahrzehnte fröhliches stricken!
Eure Bettina

Schrödingergleichung: Eine zentrale Grundgleichung der nichtrelativistischen Quantenmechanik.

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7 responses to “11 Gründe, warum ich so gerne stricke

  1. Liebe Bettina,

    schmunzel… grins… lach 😀
    Danke! In Deinem Beitrag erkennen ich mich wieder! Egal, wie der Tag gelaufen ist, wenn ich im Bus die Nadeln auspacke, kann ich runterfahren . (Unser Azubi hat neulich ganz ungläubig geguckt, hihi.)
    Ich freue mich, wenn sich Freunde ein Handwerk von mir wünschen, dann bin ich ein bisschen stolz, das ich das kann. Bis vor einiger Zeit wurde ich für mein Hobby eher belächelt.
    Ja, stricken macht ausgeglichen, selbstbewusst und glücklich! ( Aber Yoga ist auch nicht zu verachten 😉 )

    PS: Das Rot für Deinen Blazer sieht toll aus. Bin schon auf das Ergebnis gespannt.

    Sei lieb gegrüßt von
    Anke

  2. fsmilla sagt:

    Ein Post, den ich mir an die Wand hängen wollte…..du sprichst mir aus der Seele…und doch auch wieder ganz neue Gedanken….
    Danke dafür….
    LG Smilla

  3. Sina sagt:

    Hallo Bettina,

    oh ja, in einigen der Punkte habe ich mehr als einmal „hier, ich auch“ gedacht. Wir Strickerinnen ticken ja alle imemr ein bisschen ähnlich. 😉

    Liebe Grüße
    Sina

  4. Melanie sagt:

    Guten Morgen,

    Deinen Bericht finde ich absolut toll. Wir haben früher in unserem Wollladen eine ganz ganz liebe Filialleiterin gehabt. Dort haben wir uns zum Stricken getroffen und uns ausgetauscht. Wir hatten immer etwas auf der Nadel. Leider ist die Filialleiterin, die inzwischen eine Freundin geworden ist, nicht mehr da. Komischerweise strickt man jetzt nicht mehr so viel, weil man auch keine Anregungen mehr bekommt. Jetzt habe ich seit Monaten auch noch starke Schmerzen im Oberarm, so dass das Stricken nicht mehr so entspannend ist.

    Ich habe auch schon vielen mit meinem ,,Gestrickten“ eine Freude gemacht, nur nicht meinem Mann, der mag das gar net anziehen.

    Aber mich hat das Stricken auch immer so richtig entspannt. Es konnten die Mustersätze nicht verzwickt genug sein. Hauptsache man hatte was zu tüfteln.

    Bin jetzt gespannt auf den roten Blazer. Ich glaube, denn werde ich mir trotz Schmerzen stricken.

    LG Mel

  5. Regina sagt:

    Hast Du das alles super passend auf den Punkt gebracht! Könnte ich fast alles 1:1 unterschreiben, bis auf den Zeitfaktor, der für mich zum Glücksfaktor geworden ist, seit ich in Rente bin.
    Die Idee, locker und lässg einfach per Wollterror den Gatten bei Bedarf loszuwerden, die ist neu aber total faszinierend. Muss ich mir unbedingt merken! Falls es mal dazu kommen sollte (eher unwahrscheinlich, aber wer weiß das schon…), wäre es sicher für mich die entspannteste und einfachste Art der Trennung, denn Material und Werkzeug ist genügend vorhanden, um damit das ganze Haus zu füllen ;-)))
    Ja und auf Deinen roten Blazer bin auch ich schon sehr gespantn!
    Liebe Grüße und happy knitting
    Regina

  6. Veronika sagt:

    Ich beneide jeden, der noch so fröhlich werkeln kann und dabei so tolle Sachen produziert! Ich stricke immer noch gern, plage mich aber seit Jahren mit Schmerzen vom Handgelenk bis zum kleinen Finger. Stricken wird meist spätestens nach einer Stunde zur Qual. 😦

    Darüber hinaus schaffe ich es bis heute nicht so klasse Sachen zu nadeln wie du. Und wenn sie dann optisch gut geworden sind, sinkt meine Laune, wenn ich sie anziehe. 😉

    Das mein Schrank überquillt steht aber schon durch mein Handycap nicht zu befürchten. Grade werkele ich an einer Jacke im Fake-Hahnentritt. Top Down „in der Runde“. Da komme ich jetzt bald zur Teilung für die Ärmel und kann sie endlich mal richtig anprobieren. Bis dahin bibbere ich noch, dass irgendwas nicht ordentlich sitzt.

    Deinen Output hätte ich da liebend gern! 🙂

  7. Anneli sagt:

    Liebe Bettina,
    Du hast alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Toll! Es soll Menschen geben, die nichts mit sich anzufangen wissen. Das wird uns Strickerinnen mit Sicherheit nie passieren. Wir haben ein wundervolles Hobby und können auf unsere Schaffenskraft und unsere Kreationen stolz sein.
    Liebe Grüße,
    Anneli

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