Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

Wie man seine Lieben bestrickt (oder auch nicht)

- 6. Oktober 2015

Durch Zufall bin ich auf diesen lustigen Thread im Deutschen Stricktreff gestoßen.
Hier geht es um den Frustabbau über einen ignoranten Ehegesponns, der die liebevoll gestrickte Jacke nie anzieht, aber gerne zu schlecht verarbeiteten Polytierchen in Jackenform aus dem Billigladen greift. Was tun mit so einem männlichen Exemplar? Umtauschen? Wegwerfen? Umerziehen? Mit Leckerli in Form von Schokolade in die richtige Richtung konditionieren? Bei Hunden und Pferden funktioniert das wunderbar……

Da der liebe Ehemann, Lebensabschnittspartner oder Freund kein Hund oder Pferd ist und wir ihn ja lieb haben, bleibt wohl nur das „Für den strick ich nix!“ Mehr für mich, ist ja auch mein Hobby, meine Zeit und mein Geld. Da dürfen wir mal so richtige schön egoistisch sein.

Oder es findet sich ein bestimmtes Zeugs wie Socken oder Hauben, die das Mannsbild auch gerne trägt.
Schreibt doch eine Strickerin, dass sie ihren Mann fast bewusstlos schlagen muß, damit sie die Socken in die Waschmaschine bekommt. Erinnert mich sehr an mein persönliches Mützen-Armagedon. Da verhält es sich ja ähnlich. Am besten fünf Valium in den Tee, warten bis er weggetreten ist und dann ab in die Wäsche mit den dreckigen Unglücksraben!

Kinder sind ja ein ähnliches Jammertal. Noch klein und niedlich, sind die gestrickten Jäckchen, Strampler und Söckchen ebenfalls klein und niedlich…..und das bestrickte Kind kann sich (noch) nicht wehren.
Irgendwann artet der Pullover für den 12jährigen in echter Arbeit aus, trotzdem wächst er innerhalb der nächsten 2 Jahre garantiert wieder raus aus dem guten Stück.
Das süße Mädl mag lieber Kapuzensweater als Ballettröckchen aus Mohairwolle und findet Gestricktes generell igitt!
Nun, auch hier gilt: MEHR für mich!

Da es aber doch schön ist, anderen eine Freude zu bereiten, sucht man sich ein dankbares Bestrickungsopfer. Die sind zwar rar gesät, aber mit etwas Glück findet man sich auch so eine Person wie meine Mutter es war.
Jetzt habe ich meine Schwester infiziert, die ja schon die Tücher sehr, sehr oft trug und scheinbar in ihre grüne Jacke echt verliebt ist.
Deshalb gibt es demnächst eine Longjacke in oranger und schokobrauner Babyalpaka mit Taschen.

Und den ignoranten Göttergatten läßt man einfach links liegen, der Sohnemann soll mal seine endgültige Größe erreichen (hier geht das Mann-typische Drama mit großer Wahrscheinlichkeit von los..) und das Töchterlein kommt garantiert irgendwann angerannt, um sich den neusten, trendigen Pullover stricken zu lassen.

In der Zwischenzeit gibt’s halt MEEEEEEHR FÜR MICH!!!! GANZ VIEL IN FEINSTER WOLLE UND NUR FÜR MICH!

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

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6 responses to “Wie man seine Lieben bestrickt (oder auch nicht)

  1. Faden Stille sagt:

    Einfach hilarisch und genau so wie es ist, ist es von dir eingefangen, deine Post’s zeigen, du bist auf dem Weg, deinen herrlichen Humor wieder zuzulassen, die Trauer „abzustreifen“ und die schönen Erinnerungen „anzuziehen“ und dich von ihnen wärmen zu lassen…
    Bettina, deine Art zu schreiben ist reif für jedes „Blatt“ …..das Frauen mögen…

  2. Elena sagt:

    Köstlich!
    Herzerfrischend, lustig und so wahr 😉
    (Mein Mann mag Gestricktes aber sehr gern, erfreulicherweise)

    Viele Grüße
    Elena

  3. streepie sagt:

    🙂 schön geschrieben – ich grinse gerade breit vor mich hin 😉

    Also mein Töchterchen würde sich ja auch weigern, gestrickte Tutus aus (rosa) Mohairwolle anzuziehen. Türkise Strickjacken mit Kapuze sind aber auch ihr Ding….

    Mein Mann hätte ja auch gerne mal wieder einen Pulli – aber ich stricke gerade fast nur für mich 😉

  4. Tyche sagt:

    Wie schön, wieder eine fröhliche Stimmung in Deinen posts zu vernehmen, darüber freue ich mich sehr. Mein Mann sagte neulich, als ich ihm sagte, der Pullover, den ich gerade stricke, sei für ihn: „Ich muß ganz schön alt werden, bis ich alle Pullover aufgetragen habe.“ Er legt neue Stücke nämlich erst einmal zum Schonen in den Schrank! Und ich habe auch schon einmal den Versuch unternommen, seinen Lieblingspullover einfach noch einmal neu zu stricken und ihm dann unterzumogeln, das merkte er aber dann doch…
    Selbstgestrickte Pullover als Gemeinsam- Lange-Leben-Strategie? Wär‘ das was? Wir hatten Sonntag 42. Hochzeitstag, natürlich mit selbstgestrickten Pullover zum Sport.
    Liebe Grüße
    Tyche

  5. Anneli sagt:

    Liebe Bettina,
    ja, das hast Du wieder herrlich geschrieben! Wer nichts möchte, den soll man bloß nicht zu seinem Glück zwingen. In der Zwischenzeit (und nicht nur dann) ist ein „MEHR FÜR MICH“ immer gut 😉 Aber mein Mann schätzt die Pullover, die ich für ihn stricke, doch sehr und wenn nicht ab und an ein neues Stück für ihn abfällt, fängt er an zu drängeln.
    Liebe Grüße,
    Anneli

  6. Julia sagt:

    Keine Sorge, das Töchterchen wird mit Sicherheit irgendwann angelaufen kommen! Woher ich das weiß? Nunja, ich war ebenfalls mal ein solches Töchterchen, das sich plötzlich gegen alles Strickwerk gewehrt hat und dann eines Tages mit einem Bild aus einer Modezeitschrift ankam mit den Worten: „Mama kannst du sowas?“ Natürlich konnte sie!
    Mittlerweile stricke ich selbst und habe auch schon jene ernüchternden Erfahrungen gemacht, von denen du berichtest. Stricke niemals in wochenlanger Schwerstarbeit eine Überraschung, wenn das dazu führen kann, dass sie dem Beschenkten nicht richtig passt und dann auch nicht getragen wird – das habe ich daraus gelernt!

    Ich habe mich gerade ein bisschen durch deinen Blog geklickt und wirklich tolle Werke und schöne Anregungen gefunden – zum Stricken und zum Schmunzeln 😉 Weiter so!

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