Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

Ich konnte nicht anders….

Mein Eigenentwurf mußte einfach das Licht der Welt erblicken.
Ihr erinnert euch?

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Eine Vintage-Jacke aus Madelinetosh Merino light in den Farben Brothers Grimm und Winter Wheat mit Rosenbordüre, Zopfbündchen und zweifarbiger Schleife.

Ich habe wieder den Weg top-down gewählt, finde ich für mich gerade sehr spannend, da ich so was in der Form noch nie berechnet habe. Einen kleinen Vorgeschmack hat ja schon die Jacke für meine Schwester geboten, war aber hier einfacher, da kein Armauschnitt und der V-Ausschnitt ist nicht so kompliziert.

Aber es ist mir ganz gut gelungen, wieder mit den Rückenteil begonnen, verkürzte Reihen für die Schulter und die Vorderteile wieder aus dem Rückenteil ausgenommen. Der Ausschnitt ist recht halsnah und nicht sehr tief. Damit auch die Schleife gut zur Geltung kommt.

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Gnihihi, ich hätte ja beim ersten Vorteil einen totalen Gehirnaussetzer! Ich habe mir plötzlich eingebildet, dass ich alles völlig falsch berechnet habe, den Armausschnitt nicht berücksichtigt hätte und jetzt viel zu viel Maschen haben würde.
Meine Liebster ist schon ein paar Meter von mir weggerückt, als ich mal zischend durch den Mund eingeatmet habe. Nur mal zur Vorsicht! Entnervt die Nadel rausgezogen, alles wieder geribbelt um dann mit Kuhaugen festzustellen, dass eh alles gestimmt hat! (Der Liebster hat daraufhin, nur mal vorsichtshalber, das Land verlassen……)

Weitere Ribbelaktionen folgten natürlich, da ich mit diesen Rosenmuster gekämpft habe. Da hatte ich wohl ein Knoten im Hirn, den ich habe es NICHT geschafft, das Muster optimal einzuteilen oder von der richtigen Seite zu stricken.
Merke: Von oben gestrickt, Strickschrift auch auf den Kopf stellen 🙄 (Der Mann hatte da bereits den Planeten verlassen……)

Aber jetzt ist alles gut und gefällt mir echt gut 🙂

Am Karo-Pulli wird natürlich auch fleißig genadelt und ein weiters WIP wurde zum Mitnahme-Projekt auserkoren. Da wird es hoffentlich bald wieder FO’s zu begutachten geben 😉

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

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Warum ich Wolle im Internet kaufe

Die liebe Leni hat mich in ihren letzen Kommentar darauf aufmerksam gemacht, das es doch besser wäre im heimischen Einzelhandel einzukaufen.
Natürlich hat sie recht, wir fördern die Wirtschaft und sichern so Arbeitsplätze. Da führt kein Argument  drum herum. Gehe ich ins nächste Wollgeschäft, so lasse ich mein Geld im Lande und trage etwas zum Bruttosozialprodukt bei. Außerdem verhindere ich das Verschwinden von kleinen Geschäften.

Ich habe allerdings mit den meisten Wollgeschäften meine Probleme. Warum? Da gibt es einige Gründe.

Der schon sehr lange bestehende Wollladen im Ort hat ein bestimmtes Sortiment, dass mir in den meisten Fällen nicht zusagt. Die Besitzerin kenne ich schon lange und ich weiß von ihr, dass sie spezielle Qualitäten einfach nicht an die Frau bringt. Zu teuer, zu dünn, nicht ganz so pflegeleicht und das führt dazu, dass dieses Geschäft meist mit den Garnen bestückt sind, die sich leicht und schnell mit dicken Nadeln verstricken lassen. Seide, Kaschmir oder Yak ist meist zu teuer und für den ländlichen Geschmack zu exotisch. Wenn sie solche Schätze mal auf Lager hat, kaufe ich die Knäul meistens! :mrgreen:

Hier gibt es dickes Schnellstrickgarn für diejenigen, die im Winter mal einen dicken Loop oder Schal stricken möchten oder einmal das eine oder andere Modell aus einen Lana Grossa Magazin nachstricken wollen. Nicht umsonst werden Lana Grossa Garne so locker verstrickt, geht schnell und man braucht keinen Unmengen an Garn.
Für die Verrückten, die aus Sockenwollstärke eine ganze Jacke stricken möchten oder Handgefärbtes lieben, gibt es dort nicht viel zu finden.
Ich verstehe die Besitzerin, sie muß ihr Sortiment an die Bedürfnisse anpassen, um überhaupt überleben zu können. Sie kennt auch meine Vorlieben und respektiert das, auch deswegen gehe ich doch ab und zu in den Laden und finde dann doch was Hübsches für meinen Stash. Bestellungen über dem Geschäft sind schwierig, da die immer immens lange brauchen. Abgesehen davon führt sie natürlich nicht alle Garnhersteller. Da ist mir das Internet schon um einiges lieber.

In Wien gibt es natürlich schon einige Läden, die doch einiges zu bieten haben. Nur meine Wenigkeit in einen Wollgeschäft mit einer mir unbekannten Besitzerin, ist so ein eigenes Kapitel. Meist weiß ich mehr über Wolle und Stricken als die Inhaberin oder Verkäuferin. Und ich halte mich da auch nicht zurück…..ich weiß immer genau was ich will und das führt….na sagen wir mal vorsichtig, zu einigen Reibereien. Da bin ich, offen zugegeben, keine gute Kundin. Im Internet redet mir wenigstens keiner drein 🙄

Eine interessante Begebenheit ist mir vor Jahren, pre Internet sozusagen, in einem Geschäft, die Wolle von Lang Yarns führten, passiert. Ich wollte mir unbedingt das reine Kaschmirgarn  von Lang kaufen und wußte, dass der Laden die auch bestellen würde. Theoretisch!
Die Inhaberin hat mich nach Kundtun meines Anliegens mal von oben nach unten gemustert. Ob ich eh wisse, was die Wolle koste? Ja, dass Kaschmir nicht billig ist, weiß ich auch und wenn ich sie mir nicht leisten könnte, würde ich wohl nicht hier stehen…..ich war sauer und angepisst, nachdem ich das Geschäft endlich gefunden hatte, wollte ich, verdammt noch mal, auch das Kaschmirgarn bestellen! Nur mit einer Anzahlung, was ja auch in Ordnung ist, konnte ich sie dann schließlich und endlich überzeugen. Ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass ich dort NICHT mehr war.

Natürlich fehlt mir die Möglichkeit die Garne auch befühlen zu können oder einfach in Wollberge wühlen zu dürfen (obwohl ich dafür nur in meinen Stash tauchen müßte….). Das hat natürlich seine Vorteile. Das einzige, mir bekannte, Geschäft in Wien, die auch Madelinetosh, Ito oder Malabrigo führen, mag ich schon gerne leiden. Die haben eine große Ravelry-Affinität  und wissen, was wir Verrückten zum glücklich werden brauchen 😀
Und ins örtliche Wollgeschäft gehe ich einfach auch gerne, weil ich da immer mit der Besitzerin ratsche und dann auch ein paar Knäuel in die Tasche wandern. Auch wenn’s nicht viel ist, was ich dort finde und kaufe.

Sonst ist halt der Bestellfinger aktiv und manche Garne finden sich eben nur per Mausklick. Aber ich sollte eh nicht mehr so viel Wolle bestellen/kaufen…hust….

Es wird sich an dieser Tatsache auch nicht viel ändern, ich stehe auch dazu und wenn’s geht, dann wird beim Online-Shop bestellt, der in Österreich ansässig ist und meist der verlängerte Arm eines Wollladens ist. So bleibt auch mein Geld im Land, trotz Internetbestellung.

Die gesunde Mischung macht es aus, würde niemand Madelinetosh oder Wollmeise bestellen, so würden diese Handfärber wohl sehr schnell wieder aufgeben. Wäre doch schade. Da kommen  halt die meisten Umsätze über Direktbestellungen oder über Internet-Shops. Kleine Läden können sich diese Garne nicht auf Lager legen. Bei Preisen von rund 20-25 Euro/100g würden sich die meisten Kunden wohl entsetzt auf den nächsten Stuhl setzen (und ein kühlendes Tüchlein für die Stirn brauchen….)
Wir hier bei Ravelry und in den Blogs sind halt alle  ein bisschen gaga…..und zum Ausgleich bestellen wir halt mal Billiges aus der Türkei und das ist schon in Ordnung!

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

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Türkisch, oder was?

Einige werden es schon bemerkt haben, ich kaufe auch ab und zu bei Ice Yarns ein. Obwohl ich vorwiegend den Luxus-Garnen von Madelinetosh und Wollmeise und hochwertigen Materialen wie Kaschmir verfallen bin, lasse ich mich doch gerne von den niedrigen Preisen dieses türkischen Garnherstellers verführen.

Außerdem bin ich neugierig, probieren gerne aus und bilde mir so mein ganz persönliches Urteil. Oft bin ich um diese Webseite herum geschlichen, war unsicher ob ich es wagen soll. Sind diese Garne überhaupt etwas wert? Woher kommen die Ausgangsmaterialen? Tierfreundlich? Umweltfreundlich?

Ok, bestellst du dir halt mal dieses Tweedgarn zu Dumpingpreisen. Ihr werdet es schon wiedererkennen, habe ich es doch in diesen Mantel verarbeitet.

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Es ist weich und verstrickt sich angenehm. Klar erkennt man den Unterschied zu hochwertigen Garnen, aber als Beilaufgarn gar nicht mal so schlecht.
Den Mantel habe ich schon gewaschen, getragen und bin bisher  sehr zufrieden.

Ice Yarns bietet sehr viele dünne Garne an, oft mit Beimischungen von Alpaka, Mohair, Seide und auch Kaschmir. Klar, kommen die nicht an Markengarne heran, aber sie sind gut verzwirnt, mehr oder weniger weich und doppelt verstrickt auch als Material für Oberteile geeignet. Oder man nimmt sie als Beilaufgarn für schöne Melange-Effekte.

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Hier zwei Garne in Lacestärke, also wirklich sehr dünn. Mit Alpaka und das zarte rosa Garn ist Seide mit Mohair.

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Wirklich begeistert hat mich allerdings ein Sommergarn, Tropical mit Bambus und Baumwolle. Schon gesehen bei mir in Form dieser Tunika.

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Das ist wirklich toll, ergibt ein sehr gleichmäßiges Maschenbild und ich habe mir dann noch schnell eine Packung in Rosa zugelegt.

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Oft muß man schon schnell sein, da die Firma das Sortiment sehr oft wechselt.Daher habe ich auch nicht alle Qualitäten verlinkt, die gibt es teilweise gar nicht mehr.
In diesen Shop ist wirklich wühlen angesagt, den zwischen komischen Effektgarnen und reinen Plastik findet man doch immer wieder Schönes. Besonders die Sommergarne finde ich immer nett, da sie sehr dünn sind und oft Bambus oder Leinen beigemischt sind, das ich sehr gerne mag. Habe mir auch jetzt Leinen/Viskose in Schwarz und Silbergrau bestellt. Für eine sommerliche Geburtags-Tunika für die Schwester und für ein noch unbekanntes Oberteil für mich 🙂 Reines Bambus in Braun und Creme wollten auch noch ins Packerl….jaaaaaa, ich habe Garn gekauft! Der Bestellfinger hat sich selbstständig gemacht….hust….

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Die Garne sind wirklich dünn und mit 3mm verstrickt ergibt das ein feines und hauchzartes Gestrick, das wirklich sommertauglich ist. Nicht so wie die Seile aus Baumwolle bekannter Markenhersteller (was ja für Sommerstrick extrem unsinnig ist!)

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Die Lieferung geht immer sehr schnell, die Versandkosten sind etwas hoch, aber durch die niedrigen Preise gleicht es sich wieder aus.
Gekauft kann immer nur in Packs zu 4-8 Stück.

Wie weit jetzt die Herstellung meinen Sinn für Umweltschutz und Nachhaltigkeit entspricht, ist allerdings fraglich. Die Fragen beantwortet auch längeres Forschen in den Weiten des Netzes nicht wirklich. Die Garne werden in der Türkei hergestellt, wollen wir mal hoffen, das hier auch alles mit halbwegs rechten Dingen zugeht.
Woher die tierischen Rohstoffe herkommen ist fraglich, ist aber bei Lana Grossa auch nicht anders.
Es ist sicher eine Gewissensfrage, ob man hier einkaufen möchte. Für den schmalen Geldbeutel ist es eine gute Alternative zu ebenfalls günstigen Anbietern wie Drops. Damit nicht immer das gleiche im Stash landet. Auch Wollallergiker werden hier wohl sicher fündig, habe ich auch schon des Öfteren gelesen, in diversen Blogs oder auf Ravelry.

Ich werde wohl doch das eine oder andere Mal wieder zuschlagen, da ich gerade die schön glänzenden und  dünnen Garne mit Beimischungen aus Viskose, Leinen oder Bambus wirklich gerne mag.

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

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Slow Knitting

Im Gegensatz zum „Fast Knitting“, jene Pullis oder Jacken, die in 1-2 Wochen gestrickt sind. Macht Spaß, keine Frage, aber in der letzen Zeit zieht es mich doch mehr zu den aufwendigen Modellen, die einfach ihre Zeit brauchen. Zumindestens wünsche ich mir für dieses Jahr, mehr von diesen Zeitfressern zu stricken.

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So, da hätten wir mal ein Rückenteil, zwei Ärmel und einen Zopf! Dieser Zopf hat mich meinen letzen Nerv gekostet, weil der nicht länger werden wollte!

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Fehlt nur noch ein Vorderteil, das schon begonnen wurde, das Bündchen und der Rollkragen. Und sehr viele Fäden wünschen sich, vernäht zu werden (das macht gute Laune….) Ist ein langsamer Prozess, aber muß ja nicht immer alles instant sein.

Warum ich heute so gar kein scharfes Bild knipsen konnte, weiß der Himmel, aber man sieht ja so ungefähr wie der Pullover aussehen sollte (will)…..

Happy Valentine!
Eure Bettina

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Kürbis mit Schokoladenüberzug

Da ist sie nun, die Jacke! Fix und fertig, ich bin allerdings sehr entspannt gewesen (und nicht fix und fertig),während ihres Entstehungsprozesses.
Keinerlei böse Überraschungen, nur eine kleine Ribbelaktion und sie gefällt und passt meiner Schwester.

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Also ich warte ja immer noch auf Tragefotos von der grünen Jacke, vielleicht bekomme ich ja diesmal welche! Mein Neffe hat eine tolle Kamera und kann ziemlich gut fotografieren….also, ich hoffe ja immer noch….sonst muß ich irgendwann ran. Aber das ist zeitlich immer so blöd…wahrscheinlich ist Schwesterherz genau so kamerascheu wie meine Wenigkeit 😀 Muß wohl in den Genen liegen….

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Wie schon mal erwähnt, habe ich die Jacke von oben nach unten gestrickt, zuerst Rückenteil und verkürzte Reihen für die Schulterpartie und dann wurden die Vorderteile aus dem Rückenteil aufgenommen.

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Unter den Achseln habe ich einige Maschen abgenommen, damit das Teil an dieser Stelle besser sitzt. Die Jacke ist ansonsten ganz gerade und mit 15cm Mehrweite konzipiert.

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Die Ärmeln habe ich aus dem Armlöchern aufgenommen und nur zweimal oberhalb des Ellbogens abgenommen, dann wurde gerade weitergestrickt.

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Taschen wurden extra gestrickt und dann angenäht.

Verwendet habe ich Fair Alpaka DK in Orange Heather und Schokobraun. Verstrickt mit 4mm und mit einer Maschenprobe von 21M/10cm. Ist nicht zu fest und auch nicht zu locker, soll ja einen angenehmen Fall haben.

So, jetzt steht nur noch die Frage an, Anleitung dafür schreiben oder nicht….ich weiß, ich habe gesagt „Nix Anleitung!“ Aber sag niemals nie :mrgreen:

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

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Alt aber gut

Beim Aufräumen und Ausmisten sind mir doch glatt ein paar Uralt-Sweater in die Hände gefallen, bestimmt schon um die 20-25 Jahre alt. Da ich Selbstgestricktes ja nicht weggeben kann und ich mich immer freue, wenn ich meine Werke wieder mal aus dem Kasten ziehe, ist das jetzt eine schöne Gelegenheit eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen.

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Ein Eigendesign aus Alpaka, wo sich kein einziges Muster wiederholt. Was hat mich da geritten? Ich hatte in jungen Jahren offenbar mehr Muße, solche Sachen zu nadeln. Man beachte auch diesen komischen Schnitt! Die Schultern sind viel zu breit und die Armlöcher zu groß. Entweder man trug das damals so oder ich hatte keinen blassen Schimmer von optimalen Passformen. Ich vermute letzteres 😀

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Sehr weit geschnitten war ja in dieser Zeit so ziemlich alles, was ja heute wieder Mode geworden ist.
Ich hab die Weste aber immer gerne getragen….jetzt komm ich mir etwas seltsam damit vor, dabei ist das Material so herrlich!

Apropos viel Muße in jungen Jahren….

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Da strickt man sich doch tatsächlich einen Toulouse Lautrec auf den Pulli! (Da ist mir wohl tatsächlich ein kleiner Strick-Teufel auf den Schultern gesessen) Und schon wieder ein total komischer Schnitt, aber das Intarsienmuster ist doch der Hammer, oder?

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Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich für den Pullover Tage nur am Boden sitzend verbracht habe, sämtliche Knäuel um mich herum ausgebreitet.
Bin mir nicht sicher, ob ich das heute auch noch veranstalten würde 🙄 Bin mit den Jahren auch etwas bequem geworden. :mrgreen:

Verrückt waren wir damals, ich und meine Freundin, beide komplett Nadelabhängig. Das ging so weit, dass wir einen Pulli aus einen Film unbedingt nachstricken wollten. Und das war nicht mal ein richtiger Pullover, sondern das Gewand von Henry V aus dem gleichnamigen Film mit Kenneth Branagh.

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Wir waren so verrückt nach Shakespeare und seinen zeitlosen Dramen, dass wir vier mal (!) immer samstags ins Kino gepilgert sind, um uns die Geschichte um den edlen König und der Schlacht bei Azincourt reinzuziehen. (Und um Kenneth Branagh zu bewundern…..) Irgendwann war die Idee, solch ein Hemd mit Lilien und Löwen auch zu besitzen, geboren.  Mit 19 Jahren ist man…..naja, eben 19…..

Entworfen haben wir ihn gemeinsam, die Ausgabe für die Wolle geteilt und meine Freundin hat ihn dann gestrickt, allerdings nur mit den Lilien und ohne diese Zacken. Rote und Blaue Baumwolle, das Gold war ein richtig schönes Bändchengarn. Getragen haben wir ihn beide, halt abwechselnd 😀 Leider ist er nicht mehr in meinen Besitz, vielleicht hat ihn die Freundin noch. Keine Ahnung. Wir sind leider nicht mehr in Kontakt.
Erinnert habe ich mich an den Pullover und seiner lustigen Hintergrundgeschichte, als ich mir  wiedermal  den Film angesehen habe (ich liebe den immer noch, aber bitte nur im englischen Originalton!)

So eine Zeitreise ist was Nettes, zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht und ich schüttle gerade den Kopf. Du meine Güte, was Stricken alles auslösen kann!
Habt ihr auch solche lustigen Geschichte rund ums stricken zu erzählen? Bin ich ja gespannt! :mrgreen:

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

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Nahtlos oder doch in Teilen?

Als ich vor gefühlten hundert Jahren angefangen habe zu stricken, gab es nur eine mir bekannte Methode einen Pullover oder einen Cardigan zu produzieren. Man strickt ein Rückenteil, ein oder zwei Vorderteile und zwei Ärmel. Fügt die Teile mittels Nähnadel oder Häkelnadel zusammen und hofft, dass dieses Teil auch passen wird. (Gebete oder vorchristliche Beschwörungsformeln sollen ja angeblich helfen, das kann ich aber nicht bestätigen…..)

Und da kommen wir schon mal zu dem, nicht zu leugnenden, Vorteil von nahtlos und bevorzugt von oben nach unten zu stricken. Hier können  Beschwörungsformeln getrost vergessen werden und probiert das Teil einfach an. Kann zwar auch zu unangebrachten Fluchen führen, wenn’s nicht passt, aber immerhin noch besser, als das große Heulen, wenn der  fertige Pulli die angefutterten Weihnachtskilos so gar nicht verstecken will oder die Ärmel eher als 3/4 durchgehen und nicht wärmend die halbe Hand bedecken.

Diese Tatsache und den enormen Zuwachs an unsicheren Strickazubis, die auch gern mal ein schönes Oberteil nadeln möchten, hat zu zahlreichen Versionen von „top down“ geführt. RVO ist ein alter Hase, dazu kommen noch interessante Konstruktionen wie z.B. die Contiguous-Methode. Um mal nur eine nennen zu wollen.
Ist einfacher anzupassen, man erspart sich Nähte und knappe Mengen von oft sehr teuren handgefärbten Garn können optimal ausgenutzt werden. Und es macht einfach Spaß, nicht immer nach Schema F zu stricken.

Meinen erste Begegnung mit von oben nach unten, war ein Pulli aus einer Verena. Eher ungewöhnlich für dieses Heft, aber ab und zu gibt es auch hier Methoden abseits der altbewährten Norm.

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Modell 11 „Odette“ aus der Verena Herbst 2011

Irgendwie war das ein Aha-Erlebnis für mich. Ein Pulli aus Sockenwolle, in einem gestrickt und das noch von oben? Ich war erstaunt!  Da begann meine Liebe für dünne Garne und mein „Spaß an Konstruktionen“. Bei Raverly wurde ich dann natürlich erst recht fündig mit derart gestrickten Jacken und Pullovern.

Und trotzdem stricke ich nach wie vor auch gerne in Teilen. Ist einfach eine alte Liebe, die mich lange begleitet hat und nicht vergessen werde sollte. Ärmeln stricke ich ja doch lieber flach statt in Runden. Das bissl nähen stört mich jetzt nicht weiter, obwohl ich nicht soooo gerne die Nähnadel schwinge und Ärmel einsetzen finde ich ja, sonderbarerweise, irgendwie toll (Ja, die spinnt…..)
Optimale Passform ist durch viel Erfahrung und akkurater Maschenprobe auch mit dieser Methode kein so großes Problem mehr.

Hier scheiden sich ja die Geister, einer mag lieber die traditionellen Methode, der andere schwört auf nahtlos und am liebsten von oben nach unten.
Was ich an unserer Strickgemeinschaft so schätze, hier wird niemand ausgeschlossen, jeder nach seiner Fasson und Vorlieben. Jeder wie er mag und kann. Ist doch in Zeiten von soviel Hass und Intoleranz eine feine Sache!

Meine Fazit daraus ist, probiert alles aus, auch wenn es mal daneben geht. Ribbeln, Fluchen und den Ehemann mit irren Blick und gezückter Stricknadel aus dem Haus treiben gehören einfach zum Strickerleben dazu.
Jeder kann seine Lieblingsmethode finden, mit der er glücklich wird.

Es lebe das Internet mit all seinen Strickblogs und Ravelry, wo einfach alles möglich ist und die Gemeinschaft aller Nadelabhängigen, die einfach ein Vorbild an Toleranz und Gemeinschaftssinn sind. Ist doch toll ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein 🙂

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

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