Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

Nahtlos oder doch in Teilen?

- 1. Februar 2016

Als ich vor gefühlten hundert Jahren angefangen habe zu stricken, gab es nur eine mir bekannte Methode einen Pullover oder einen Cardigan zu produzieren. Man strickt ein Rückenteil, ein oder zwei Vorderteile und zwei Ärmel. Fügt die Teile mittels Nähnadel oder Häkelnadel zusammen und hofft, dass dieses Teil auch passen wird. (Gebete oder vorchristliche Beschwörungsformeln sollen ja angeblich helfen, das kann ich aber nicht bestätigen…..)

Und da kommen wir schon mal zu dem, nicht zu leugnenden, Vorteil von nahtlos und bevorzugt von oben nach unten zu stricken. Hier können  Beschwörungsformeln getrost vergessen werden und probiert das Teil einfach an. Kann zwar auch zu unangebrachten Fluchen führen, wenn’s nicht passt, aber immerhin noch besser, als das große Heulen, wenn der  fertige Pulli die angefutterten Weihnachtskilos so gar nicht verstecken will oder die Ärmel eher als 3/4 durchgehen und nicht wärmend die halbe Hand bedecken.

Diese Tatsache und den enormen Zuwachs an unsicheren Strickazubis, die auch gern mal ein schönes Oberteil nadeln möchten, hat zu zahlreichen Versionen von „top down“ geführt. RVO ist ein alter Hase, dazu kommen noch interessante Konstruktionen wie z.B. die Contiguous-Methode. Um mal nur eine nennen zu wollen.
Ist einfacher anzupassen, man erspart sich Nähte und knappe Mengen von oft sehr teuren handgefärbten Garn können optimal ausgenutzt werden. Und es macht einfach Spaß, nicht immer nach Schema F zu stricken.

Meinen erste Begegnung mit von oben nach unten, war ein Pulli aus einer Verena. Eher ungewöhnlich für dieses Heft, aber ab und zu gibt es auch hier Methoden abseits der altbewährten Norm.

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Modell 11 „Odette“ aus der Verena Herbst 2011

Irgendwie war das ein Aha-Erlebnis für mich. Ein Pulli aus Sockenwolle, in einem gestrickt und das noch von oben? Ich war erstaunt!  Da begann meine Liebe für dünne Garne und mein „Spaß an Konstruktionen“. Bei Raverly wurde ich dann natürlich erst recht fündig mit derart gestrickten Jacken und Pullovern.

Und trotzdem stricke ich nach wie vor auch gerne in Teilen. Ist einfach eine alte Liebe, die mich lange begleitet hat und nicht vergessen werde sollte. Ärmeln stricke ich ja doch lieber flach statt in Runden. Das bissl nähen stört mich jetzt nicht weiter, obwohl ich nicht soooo gerne die Nähnadel schwinge und Ärmel einsetzen finde ich ja, sonderbarerweise, irgendwie toll (Ja, die spinnt…..)
Optimale Passform ist durch viel Erfahrung und akkurater Maschenprobe auch mit dieser Methode kein so großes Problem mehr.

Hier scheiden sich ja die Geister, einer mag lieber die traditionellen Methode, der andere schwört auf nahtlos und am liebsten von oben nach unten.
Was ich an unserer Strickgemeinschaft so schätze, hier wird niemand ausgeschlossen, jeder nach seiner Fasson und Vorlieben. Jeder wie er mag und kann. Ist doch in Zeiten von soviel Hass und Intoleranz eine feine Sache!

Meine Fazit daraus ist, probiert alles aus, auch wenn es mal daneben geht. Ribbeln, Fluchen und den Ehemann mit irren Blick und gezückter Stricknadel aus dem Haus treiben gehören einfach zum Strickerleben dazu.
Jeder kann seine Lieblingsmethode finden, mit der er glücklich wird.

Es lebe das Internet mit all seinen Strickblogs und Ravelry, wo einfach alles möglich ist und die Gemeinschaft aller Nadelabhängigen, die einfach ein Vorbild an Toleranz und Gemeinschaftssinn sind. Ist doch toll ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein 🙂

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

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4 responses to “Nahtlos oder doch in Teilen?

  1. Ina sagt:

    Hallo Bettina,

    sehr schön geschrieben und so wahr! Meine Mama und meine Oma haben mir das Stricken beigebracht und nun lernen sie auch von mir. Nicht in den technischen Angelegenheiten, aber was den Mut zu neuen Methoden und der „einfach mal probieren“ Methode.

    Ich stricke Ärmel übrigens auch lieber flach. Ich stricke dann immer Top-Down und wenn dann die Ärmel gestrickt werden, schließe ich nicht zur Runde, sondern stricke hin und zurück und nähe dann zusammen. So kann ich auch die großen Maschen unter den Achseln mit in die Naht einbinden.

    Das ist wirklich das schöne an Ravelry: Jeder ist anders und wir kommunizieren mit Leuten aus aller Welt über ein gemeinsames Hobby, wobei alle ethnischen Vorurteile ausgeblendet werden.

    In diesem Sinne: Stricken für den Weltfrieden ☺️

    LG Ina

  2. Ute sagt:

    Hallo Bettina,

    Ja, es stimmt schon, die Strick-Community ist erfreulich tolerant, im Gegensatz zu anderen Bereichen, wo der Umgangston immer rauher wird und jeder darauf beharrt, seine Auffassung sei die einzig wahre.
    Die top-down-Variante würde ich sicher öfter einsetzen, wenn der Schrank nicht ohnehin schon von Pullis und Jacken überquellen würde (die fast alle nach der traditionellen Methode entstanden sind). Nicht umsonst habe ich mich in letzter Zeit auf Tücher verlegt …
    Eines spricht aus meiner Sicht aber doch noch für die Arbeit in Einzelteilen: man ist damit einfach freier in der Schnittgestaltung.

    Liebe Grüße,
    Ute

  3. Karin F. sagt:

    Liebe Zwitscherhexe,

    toll!!! „das Mut mach Credo“ – einfach probieren, zur Not ribbeln, was soll`s. Und noch besser- jedem/r das Seine. Ist doch toll, eine Vielfalt auch in den Methoden zu haben- wir lernen voneinander und schätzen Andere ob dieser Andersartigkeit. Damit verbinden wir durch ein Hobby so viele Stricker/innen- und das teilweise weltweit. Klasse Dein Beitrag wieder mal. Im Januar saß ich im Flieger (germanwings) mit dem Bordmagazin in der Hand und staunte nicht schlecht- ein großer mehrseitiger Bericht über das Stricken und RAVELRY und noch besser- mit vielen Internetadressen vor allem auch aus WIEN! Toll…. Liebe Grüße Karin F.

  4. Anneli sagt:

    Liebe Bettina,
    das waren noch Zeiten, als man solche schicken Modelle in der Verena fand. Der Pulli ist zeitlos schön und gefällt mir sehr. Wie man zu solchen Ergebnissen kommen, muss jeder für sich herausfinden. Ich bin nicht festgelegt, probiere gern und entscheide dann, ob es mir gefällt oder nicht.
    Was ich mir an unserem virtuellen Strickkreis gefällt, ist, dass man seine Erfahrung weitergeben kann und bei Problemen sofort eine helfende Hand angeboten wird. Mein Mann sagt immer, dass wir Strickbloggerinnen in einer heilen Welt leben. Ja, es ist eine friedliche Welt, in der interessanterweise überwiegend Frauen leben.
    Liebe Grüße
    Anneli

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