Zwitscherhexe

Stricken, Kochen, Pferde. Mein Leben zwischen Stricknadeln, Kochtöpfe und Reitstall

Nadelparkplatz und andere Kuriositäten

Wohin mit der Zopfnadel, wenn sie in einer lange Reihe mit vielen Verzopfungen mal kurz nicht gebraucht wird? Natürlich wird sie in den Mund geschoben, wo dann das lange Ende etwas seltsam von den Lippen hängt. Selbstvergessen wird dann auch noch an dem Ende, das im Mund steckt, herum gekaut. Was manchmal zu enervierten Augenbrauen hoch ziehen und Sprüchen wie “ Jetzt nicht verschlucken!“ von nicht (strick)qualifizierten Leuten führt. Die da ganz zufällig neben dir sitzen (und eigentlich den Mund halten sollten….)

Nadelparkplatz eben! Praktisch, immer dabei und allfälliges Kaubedürfnis wird auch noch gestillt. Und dann sieht die Lieblingszopfnadel so aus.

image

Abgenagt, der Farbe beraubt und hoffentlich nicht gesundheitsschädlich (ob Hersteller den beliebten Parkplatz der Zopfnadeln berücksichtigen? Man will ja schließlich niemanden vergiften.)
Ich werde trotzdem weiter an diesen wichtigen Hilfsmittel herumlutschen und kauen, wo könnte die Nadel auch besser aufgehoben sein?

Der gemeine Stricker ist ja ein seltsames Tier, sammelt, hortet und leugnet meist die Menge seiner angehäuften Garne. Und meist gelingt es ihm auch recht gut. Bis, ja BIS er zusammenräumt und alles auf eine Fläche fein säuberlich stabelt, meist in dafür gekauften Kisten. Und dann ereilt ihn der Schock und schlagartig entsagt er der gemeinen Wollkauflust.

image

Nein, das ist keine Fata Morgana, kein Trugbild und auch kein Scherz. Gestatten, mein STASH! Etwas unordentlich, zwei Reihen Plastikboxen, Schachtel, Tüten und rund um die Satteldecken etliche Kisten in allen Formen und Arten in den Regalen. Wie letztens angemerkt, anscheinend unerschöpflich. Meine eigener Wollladen im Keller. Nicht wirklich geordnet und immer für Überraschungen gut. Ich kauf nix mehr, nein ehrlich! Ja, wirklich! Die Menge ist absurd. Schön verteilt übers Haus, war’s nicht so absurd.
Jetzt habe ich im Keller mein eigenes Absurditan gegründet. Meinen persönlichen Wollstaat, wo ich Präsident bin.

Die Welt des Strickens bringt doch Seltsames hervor…..

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

Advertisements
18 Kommentare »

Die Sache mit den Leinen

Oft stelle ich fest, dass bei dem Thema Leinengarn doch etwas Unsicherheit besteht. Gestern hat mir die liebe Mimi einige Fragen zu diesen Thema gestellt:

Hallo, lese schon öfters Dein Blog und finde viele Deiner gestrickten Teile sehr shön.
Jetzt machte mich “ der Preis“ so neugierig, dass ich nach Details fragen muss.
Was für ein Verbrauch hatte der Pullover – wenn Du ihn aus einer Farbe stricken würdest? Da das Garn sehr dünn ist, würde auch doppelt stricken.
Kenne nur Leinen Garn von Isagen aber Leinen ist etwas störisch, nicht so gut zum stricken.
Wie ist das mit dem Garn? ist das Garn nach der Wäsche weicher geworden?
Würde mich sehr über Ihre Antwort freuen.
Mimi

Zuerst mal danke für dein liebes Kompliment!
Ich bin mir sicher, dass die Antworten und meine Erfahrungen zu Leinen doch einige interessieren werden. Daher mache ich gleich mal einen Beitrag dazu 🙂

Hier geht es erstmal konkret um das Produkt von Lityarn.
Leinen ist, meiner Erfahrung nach mit einigen Qualitäten von verschiedenen Herstellern, immer etwas störrisch und sehr unelastisch. Es wirkt hart und verstrickt sich auch eher so.
Allerdings ist Leinen verstrickt weich im Fall und kratzt auch nicht. Ich finde sogar, das Lityarn einen besonders schönen und weichen Fall hat. Nach dem waschen wird es auch noch weicher.
Zu fest sollte es nicht verstrickt werden. Pflanzenfasern lassen sich ohnehin nie so dicht verstricken, ziehen sich aber nach dem Wäschen immer in Breite und/oder Länge zusammen. Gewaschenen Maschenprobe ist hier auf jeden Fall zu empfehlen (sollte aber jetzt langsam in allen Strickerinnen-Köpfe angekommen sein….)

Ich habe Lityarn doppelt genommen und mit 3,5mm verstrickt und bin auf eine Maschenprobe von 21/22 Maschen pro 10cm gekommen. Nach dem Waschen komme ich auf 24M. Beim Tragen wird das Gestrick dann wieder etwas weiter. Vorteil ist, dass dieses Material sehr pflegeleicht ist und auch schnell trocknet. Und es kühlt auch bei großer Hitze.

image

Verbraucht habe ich für meinen Streifenpulli insgesamt 2,3 Stränge. Also sind 4-6 Stränge je nach Kleidergröße für ein Sommeroberteil ausreichend.

Ich habe bisher ein reines Leinengarn von BC-Garne und von Shibui verstrickt. Beide hatten ähnliche Eigenschaften in Struktur, Strickverhalten, Weichheit und Fall. Solch ein Garn ist gewöhnungsbedürftig, das stimmt schon, aber auch einfach herrlich in seinen Trageeigenschaften.

Wer nicht gleich mit zu harten und starren Garn arbeiten möchte, dem empfehle ich Mischgarne aus Seide/Leinen oder Leinen/Viskose mit hohen Leinenanteil. Da sind die Eigenschaften und der spezielle Griff des Leines noch erhalten, aber deutlich weicher und auch glänzender. Auch mit Baumwolle gemischt gibt es schöne Garne, die können aber echt steif sein (mit schlechten Fall). Hier würde ich auch einen hohen Leinenanteil empfehlen.

image

Hier ein paar Schätzchen aus meinen Schatztruhen. (von links nach rechts)

  • Ice Yarns Linen (Leinen mit Viskose, glänzend und sehr weich)
  • BC Garn Linen (100% Leinen) von BC gibt es auch Leinen/Seide-Mischungen
  • Quince & Co Sparrow (100% Leinen)
  • Rowan Creative Linen (50% BW 50% Leinen)
  • Handmaiden Fine Yarn Lino (65%Seide 35 %Leinen, hat trotz hohen Seidenanteil noch eine schöne Leinenoptik)

Probiert es einfach aus, wie Mohair oder Alpaka kann es Liebe fürs Leben sein oder es bleibt bei dem Versuch. Entscheidet selbst und macht euch ein leichtes Oberteil für heiße Tage.

Ich werde mal mit dem Rest Lityarn in Braun ein Lacetüchlein stricken. Mal sehen, wie das so wird 🙂

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

2 Kommentare »

Warum ich Wolle im Internet kaufe

Die liebe Leni hat mich in ihren letzen Kommentar darauf aufmerksam gemacht, das es doch besser wäre im heimischen Einzelhandel einzukaufen.
Natürlich hat sie recht, wir fördern die Wirtschaft und sichern so Arbeitsplätze. Da führt kein Argument  drum herum. Gehe ich ins nächste Wollgeschäft, so lasse ich mein Geld im Lande und trage etwas zum Bruttosozialprodukt bei. Außerdem verhindere ich das Verschwinden von kleinen Geschäften.

Ich habe allerdings mit den meisten Wollgeschäften meine Probleme. Warum? Da gibt es einige Gründe.

Der schon sehr lange bestehende Wollladen im Ort hat ein bestimmtes Sortiment, dass mir in den meisten Fällen nicht zusagt. Die Besitzerin kenne ich schon lange und ich weiß von ihr, dass sie spezielle Qualitäten einfach nicht an die Frau bringt. Zu teuer, zu dünn, nicht ganz so pflegeleicht und das führt dazu, dass dieses Geschäft meist mit den Garnen bestückt sind, die sich leicht und schnell mit dicken Nadeln verstricken lassen. Seide, Kaschmir oder Yak ist meist zu teuer und für den ländlichen Geschmack zu exotisch. Wenn sie solche Schätze mal auf Lager hat, kaufe ich die Knäul meistens! :mrgreen:

Hier gibt es dickes Schnellstrickgarn für diejenigen, die im Winter mal einen dicken Loop oder Schal stricken möchten oder einmal das eine oder andere Modell aus einen Lana Grossa Magazin nachstricken wollen. Nicht umsonst werden Lana Grossa Garne so locker verstrickt, geht schnell und man braucht keinen Unmengen an Garn.
Für die Verrückten, die aus Sockenwollstärke eine ganze Jacke stricken möchten oder Handgefärbtes lieben, gibt es dort nicht viel zu finden.
Ich verstehe die Besitzerin, sie muß ihr Sortiment an die Bedürfnisse anpassen, um überhaupt überleben zu können. Sie kennt auch meine Vorlieben und respektiert das, auch deswegen gehe ich doch ab und zu in den Laden und finde dann doch was Hübsches für meinen Stash. Bestellungen über dem Geschäft sind schwierig, da die immer immens lange brauchen. Abgesehen davon führt sie natürlich nicht alle Garnhersteller. Da ist mir das Internet schon um einiges lieber.

In Wien gibt es natürlich schon einige Läden, die doch einiges zu bieten haben. Nur meine Wenigkeit in einen Wollgeschäft mit einer mir unbekannten Besitzerin, ist so ein eigenes Kapitel. Meist weiß ich mehr über Wolle und Stricken als die Inhaberin oder Verkäuferin. Und ich halte mich da auch nicht zurück…..ich weiß immer genau was ich will und das führt….na sagen wir mal vorsichtig, zu einigen Reibereien. Da bin ich, offen zugegeben, keine gute Kundin. Im Internet redet mir wenigstens keiner drein 🙄

Eine interessante Begebenheit ist mir vor Jahren, pre Internet sozusagen, in einem Geschäft, die Wolle von Lang Yarns führten, passiert. Ich wollte mir unbedingt das reine Kaschmirgarn  von Lang kaufen und wußte, dass der Laden die auch bestellen würde. Theoretisch!
Die Inhaberin hat mich nach Kundtun meines Anliegens mal von oben nach unten gemustert. Ob ich eh wisse, was die Wolle koste? Ja, dass Kaschmir nicht billig ist, weiß ich auch und wenn ich sie mir nicht leisten könnte, würde ich wohl nicht hier stehen…..ich war sauer und angepisst, nachdem ich das Geschäft endlich gefunden hatte, wollte ich, verdammt noch mal, auch das Kaschmirgarn bestellen! Nur mit einer Anzahlung, was ja auch in Ordnung ist, konnte ich sie dann schließlich und endlich überzeugen. Ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass ich dort NICHT mehr war.

Natürlich fehlt mir die Möglichkeit die Garne auch befühlen zu können oder einfach in Wollberge wühlen zu dürfen (obwohl ich dafür nur in meinen Stash tauchen müßte….). Das hat natürlich seine Vorteile. Das einzige, mir bekannte, Geschäft in Wien, die auch Madelinetosh, Ito oder Malabrigo führen, mag ich schon gerne leiden. Die haben eine große Ravelry-Affinität  und wissen, was wir Verrückten zum glücklich werden brauchen 😀
Und ins örtliche Wollgeschäft gehe ich einfach auch gerne, weil ich da immer mit der Besitzerin ratsche und dann auch ein paar Knäuel in die Tasche wandern. Auch wenn’s nicht viel ist, was ich dort finde und kaufe.

Sonst ist halt der Bestellfinger aktiv und manche Garne finden sich eben nur per Mausklick. Aber ich sollte eh nicht mehr so viel Wolle bestellen/kaufen…hust….

Es wird sich an dieser Tatsache auch nicht viel ändern, ich stehe auch dazu und wenn’s geht, dann wird beim Online-Shop bestellt, der in Österreich ansässig ist und meist der verlängerte Arm eines Wollladens ist. So bleibt auch mein Geld im Land, trotz Internetbestellung.

Die gesunde Mischung macht es aus, würde niemand Madelinetosh oder Wollmeise bestellen, so würden diese Handfärber wohl sehr schnell wieder aufgeben. Wäre doch schade. Da kommen  halt die meisten Umsätze über Direktbestellungen oder über Internet-Shops. Kleine Läden können sich diese Garne nicht auf Lager legen. Bei Preisen von rund 20-25 Euro/100g würden sich die meisten Kunden wohl entsetzt auf den nächsten Stuhl setzen (und ein kühlendes Tüchlein für die Stirn brauchen….)
Wir hier bei Ravelry und in den Blogs sind halt alle  ein bisschen gaga…..und zum Ausgleich bestellen wir halt mal Billiges aus der Türkei und das ist schon in Ordnung!

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

12 Kommentare »

Nahtlos oder doch in Teilen?

Als ich vor gefühlten hundert Jahren angefangen habe zu stricken, gab es nur eine mir bekannte Methode einen Pullover oder einen Cardigan zu produzieren. Man strickt ein Rückenteil, ein oder zwei Vorderteile und zwei Ärmel. Fügt die Teile mittels Nähnadel oder Häkelnadel zusammen und hofft, dass dieses Teil auch passen wird. (Gebete oder vorchristliche Beschwörungsformeln sollen ja angeblich helfen, das kann ich aber nicht bestätigen…..)

Und da kommen wir schon mal zu dem, nicht zu leugnenden, Vorteil von nahtlos und bevorzugt von oben nach unten zu stricken. Hier können  Beschwörungsformeln getrost vergessen werden und probiert das Teil einfach an. Kann zwar auch zu unangebrachten Fluchen führen, wenn’s nicht passt, aber immerhin noch besser, als das große Heulen, wenn der  fertige Pulli die angefutterten Weihnachtskilos so gar nicht verstecken will oder die Ärmel eher als 3/4 durchgehen und nicht wärmend die halbe Hand bedecken.

Diese Tatsache und den enormen Zuwachs an unsicheren Strickazubis, die auch gern mal ein schönes Oberteil nadeln möchten, hat zu zahlreichen Versionen von „top down“ geführt. RVO ist ein alter Hase, dazu kommen noch interessante Konstruktionen wie z.B. die Contiguous-Methode. Um mal nur eine nennen zu wollen.
Ist einfacher anzupassen, man erspart sich Nähte und knappe Mengen von oft sehr teuren handgefärbten Garn können optimal ausgenutzt werden. Und es macht einfach Spaß, nicht immer nach Schema F zu stricken.

Meinen erste Begegnung mit von oben nach unten, war ein Pulli aus einer Verena. Eher ungewöhnlich für dieses Heft, aber ab und zu gibt es auch hier Methoden abseits der altbewährten Norm.

image

Modell 11 „Odette“ aus der Verena Herbst 2011

Irgendwie war das ein Aha-Erlebnis für mich. Ein Pulli aus Sockenwolle, in einem gestrickt und das noch von oben? Ich war erstaunt!  Da begann meine Liebe für dünne Garne und mein „Spaß an Konstruktionen“. Bei Raverly wurde ich dann natürlich erst recht fündig mit derart gestrickten Jacken und Pullovern.

Und trotzdem stricke ich nach wie vor auch gerne in Teilen. Ist einfach eine alte Liebe, die mich lange begleitet hat und nicht vergessen werde sollte. Ärmeln stricke ich ja doch lieber flach statt in Runden. Das bissl nähen stört mich jetzt nicht weiter, obwohl ich nicht soooo gerne die Nähnadel schwinge und Ärmel einsetzen finde ich ja, sonderbarerweise, irgendwie toll (Ja, die spinnt…..)
Optimale Passform ist durch viel Erfahrung und akkurater Maschenprobe auch mit dieser Methode kein so großes Problem mehr.

Hier scheiden sich ja die Geister, einer mag lieber die traditionellen Methode, der andere schwört auf nahtlos und am liebsten von oben nach unten.
Was ich an unserer Strickgemeinschaft so schätze, hier wird niemand ausgeschlossen, jeder nach seiner Fasson und Vorlieben. Jeder wie er mag und kann. Ist doch in Zeiten von soviel Hass und Intoleranz eine feine Sache!

Meine Fazit daraus ist, probiert alles aus, auch wenn es mal daneben geht. Ribbeln, Fluchen und den Ehemann mit irren Blick und gezückter Stricknadel aus dem Haus treiben gehören einfach zum Strickerleben dazu.
Jeder kann seine Lieblingsmethode finden, mit der er glücklich wird.

Es lebe das Internet mit all seinen Strickblogs und Ravelry, wo einfach alles möglich ist und die Gemeinschaft aller Nadelabhängigen, die einfach ein Vorbild an Toleranz und Gemeinschaftssinn sind. Ist doch toll ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein 🙂

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

4 Kommentare »

Wie man seine Lieben bestrickt (oder auch nicht)

Durch Zufall bin ich auf diesen lustigen Thread im Deutschen Stricktreff gestoßen.
Hier geht es um den Frustabbau über einen ignoranten Ehegesponns, der die liebevoll gestrickte Jacke nie anzieht, aber gerne zu schlecht verarbeiteten Polytierchen in Jackenform aus dem Billigladen greift. Was tun mit so einem männlichen Exemplar? Umtauschen? Wegwerfen? Umerziehen? Mit Leckerli in Form von Schokolade in die richtige Richtung konditionieren? Bei Hunden und Pferden funktioniert das wunderbar……

Da der liebe Ehemann, Lebensabschnittspartner oder Freund kein Hund oder Pferd ist und wir ihn ja lieb haben, bleibt wohl nur das „Für den strick ich nix!“ Mehr für mich, ist ja auch mein Hobby, meine Zeit und mein Geld. Da dürfen wir mal so richtige schön egoistisch sein.

Oder es findet sich ein bestimmtes Zeugs wie Socken oder Hauben, die das Mannsbild auch gerne trägt.
Schreibt doch eine Strickerin, dass sie ihren Mann fast bewusstlos schlagen muß, damit sie die Socken in die Waschmaschine bekommt. Erinnert mich sehr an mein persönliches Mützen-Armagedon. Da verhält es sich ja ähnlich. Am besten fünf Valium in den Tee, warten bis er weggetreten ist und dann ab in die Wäsche mit den dreckigen Unglücksraben!

Kinder sind ja ein ähnliches Jammertal. Noch klein und niedlich, sind die gestrickten Jäckchen, Strampler und Söckchen ebenfalls klein und niedlich…..und das bestrickte Kind kann sich (noch) nicht wehren.
Irgendwann artet der Pullover für den 12jährigen in echter Arbeit aus, trotzdem wächst er innerhalb der nächsten 2 Jahre garantiert wieder raus aus dem guten Stück.
Das süße Mädl mag lieber Kapuzensweater als Ballettröckchen aus Mohairwolle und findet Gestricktes generell igitt!
Nun, auch hier gilt: MEHR für mich!

Da es aber doch schön ist, anderen eine Freude zu bereiten, sucht man sich ein dankbares Bestrickungsopfer. Die sind zwar rar gesät, aber mit etwas Glück findet man sich auch so eine Person wie meine Mutter es war.
Jetzt habe ich meine Schwester infiziert, die ja schon die Tücher sehr, sehr oft trug und scheinbar in ihre grüne Jacke echt verliebt ist.
Deshalb gibt es demnächst eine Longjacke in oranger und schokobrauner Babyalpaka mit Taschen.

Und den ignoranten Göttergatten läßt man einfach links liegen, der Sohnemann soll mal seine endgültige Größe erreichen (hier geht das Mann-typische Drama mit großer Wahrscheinlichkeit von los..) und das Töchterlein kommt garantiert irgendwann angerannt, um sich den neusten, trendigen Pullover stricken zu lassen.

In der Zwischenzeit gibt’s halt MEEEEEEHR FÜR MICH!!!! GANZ VIEL IN FEINSTER WOLLE UND NUR FÜR MICH!

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

6 Kommentare »

Die verstrickte Dienstagsfrage

Wer hat es nicht schon einmal erlebt: Brav eine Maschenprobe gestrickt und das fertige Strickstück passte später doch nicht 😦
Welche Tipps habt ihr für eine exakte Maschenprobe?

Und an alle, die auf einem großen Stück grundsätzlich lockerer oder fester stricken als bei ihrer Maschenprobe: Wie handhabt ihr diese Abweichungen; was macht ihr, damit es zum Schluß trotzdem passt?

Jaja, das soll schon mal vorkommen! :mrgreen: Ist natürlich ärgerlich, wenn der Pullover nach dem Waschen um 20cm breiter wird. Habe ich letztens gelesen, da ist das so passiert.

In meinen früheren Strickzeiten ist die Maschenprobe wesentlich fester geworden. Doch eher ein fester Stricker, bin ich hier regelrecht zum Brettstricker mutiert. Ist natürlich kontraproduktiv.
Mit etwas Übung gelingt auch die Maschenprobe in der Festigkeit, die ich ansonsten auch habe. Einfach nur entspannt sein, in seinen üblichen Rythmus mit gewohnter Fadenspannung stricken.
Wichtig finde ich auch, das die Maschenprobe gewaschen wird. Und dann die Probe genauso behandeln, wie auch das fertige Teil behandelt wird.
Wenn ich den fertigen Pulli oder die Jacke wasche, dann wird sie kräftig geschleudert, in einem Knäuel zur Spannmatte getragen und dann vorsichtig aufgelegt, glattgestrichen und auf  Maß gespannt. Die Maschenprobe behandle ich ähnlich. Nur auflegen und feststecken, nicht auseinander ziehen. Mache ich ja beim fertigen Teil auch nicht.

Vorher natürlich Maschenanzahl und Reihen sorgfältig auszählen und danach ebenfalls. Falls Abweichungen da sind, immer mit einrechnen.
Besonders Seide oder Wolle mit Seide wird mit großer Wahrscheinlichkeit 10-20% länger. Das ersehe ich aus der Mascheprobe und berechne dann, um wie viel das Strickstück länger oder breiter wird.
Diese Vorgangsweise ist gut, aber jetzt nicht unbedingt ein absoluter Garant für ein gelungenes Oberteil oder Rock. Deswegen messe ich immer in bestimmten Abständen nach oder probiere an.
Manche waschen auch dazwischen das Strickstück, um zu sehen wie sich die Maschen im großen Format verhalten.

Aber mit einer ausreichend großen und gewaschene Maschenprobe dürfte nicht allzuviel schief gehen. (Daumendrück!)
Zum passgenauen stricken gehört auch viel Erfahrung,  vieles erschließt sich einem erst nach jeder Menge „try and error“ ist-mir-jetzt-total-mißlungen. Und auch heute gelingt bei mir nicht immer alles, so wie ich es mir auch vorstelle.
Stricken hat doch schon was sehr organisches an sich. Je nach Müdigkeit oder Laune, kann sich die Strickfestigkeit verändern. Materialen verhalten sich unterschiedlich und nicht immer ist es für das jeweilige Modell auch geeignet.

Dann gibt es eben Ribbelorgien mit dem Hintergedanken, es nächstes Mal besser zu machen oder das eigentlich firgurbetonte Seidenjäckchen ist jetzt ein bequemes Oversize-Teil. Ich trag’s aber echt gerne!! ( und mit dem Wissen, dass Seide viel fester verstrickt werden muß, nicht für figurbetontes geeignet ist und ich immer mehr Weite und Länge einplanen werde…und eine ausreichend große und gewaschene Maschenprobe gemacht werden muß haha)

An alle, die noch mit Maschenproben und Passgenauigkeit kämpfen, Kopf hoch, keine Meister ist von Himmel gefallen, immer informationsreiche Blogs lesen, You Tube- Videos gucken und sich nicht scheuen, in den Ravlery-Gruppen auch „doofe“ Fragen zu stellen oder einfach „HILFE“ zu schreien.  Und ganz wichtig! Einfach ausprobieren, auch wenn man mal etwas mehr ribbeln muß 😀

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

2 Kommentare »

11 Gründe, warum ich so gerne stricke

Nummer 1:
Mir wird garantiert nie langweilig. Egal wo ich bin, wo ich sitze oder stehe.
Lange Zugfahrten werden zum Vergnügen, den da kann ich meinen liebsten Hobby ungehindert frönen und die Zeit verfliegt wie im Flug. Apropos Flug! Das gleiche gilt für lange Flüge (falls ich das Nadelzeugs ungehindert durch die Kontrollen bekomme…..)
Das Wartezimmer beim Zahnarzt wird zur Strickstube und ich winke den nächsten in der Reihe durch „Ach, diesen Mustersatz muß ich jetzt noch zu Ende stricken. Gehen sie nur und lassen sie sich mit dem Bohrer quälen.“
Verregnete Sonntage werden begrüßt und die Pferde können ihre Weide genießen, ohne das ich ungeduldig auf die Uhr sehe oder mir überlege, ob ich schnell nach Hause fahren soll und dann wieder retour. Ich habe ja mein Strickzeug und mein Parkbänkchen.

Nummer 2:
Ich bin immer entspannt.
Das stetige Klappern der Nadeln und das rhythmische Abstricken der Maschen sind wie Yoga. Nur mit dem Vorteil, dass ich mich nicht verrenken muß und in überfüllten Yoga-Kursen herumsitze (was ja auch nicht wirklich zur Entspannung beiträgt)
Ich bin eine entspannte Mama und eine ruhige Partnerin (hoffe ich mal…. 🙄 ) Ein strickendes Urgestein, dass nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Außer vielleicht eine falsch herumgezopftes Muster in Reihe 6 wenn ich schon bei Reihe 40 bin. Aber das ist eine andere Geschichte….

Nummer 3:
Ich mache mir meine Mode selber.
Ist mir doch wurscht, was gerade so in ist! Welche Farbe besonders hipp oder gefragt ist, geht mir an der Hutschnur vorbei. Ich habe einen farbenfrohen Stash, jede Menge Anleitungen aus sämtlichen Jahrzehnten und einen Kopf voller Ideen.

Nummer 4:
Stricken hält fit.
Jedes Enträtseln einer Anleitung, jedes Folgen eines Mustercharts und jede Berechnung ist wie Gehirnjogging. Gut, manchmal entsteht ein Knopf im Hirn oder man vergisst plötzlich die Grundrechnungsarten und der Dreisatz wird zu einer Art Schrödingergleichung. Aber es bewegt die grauen Gehirnzellen. Und die des Mannes, der wie aus dem Off heraus, die Lösung der Rechnung unerwartet parat hat. (Die ich vorher in einer Art von Selbstgespräch, vor mich hin gemurmelt habe)

Nummer 5:
Ich kann und darf ohne schlechtem Gewissen, etwas kaufen oder bestellen.
Nämlich Wolle! Den ich gebe ja Geld für das Hobby aus und nicht für nutzloser Kram, der nach fünf Minuten in der nächsten Ecke liegt. Denn was tun wir Frauen wirklich am liebsten? Einkaufen! Zuviel Schuhe fallen nach einer gewissen Zeit auf, den wer braucht schon ein hundertstes Paar Schuhe? Zumindestens kann dieser Umstand dem lieben Ehegesponns oder Lebensabschnittsgefährten schwer klar gemacht werden. (Oder das ‚Lebensabschnitt‘ wird schnell zur Realität…)
Wollkauf kann ich noch gut argumentativ verteidigen (Jaja, ich bin ein Meister der Selbsttäuschung 🙄 )

Nummer 6:
Ich spende anderen Menschen Freude.
So schön es ist, für sich selbst Dinge zu stricken, so viel mehr Genuss bereitet es mir, andere zu beglücken. Mit einer Mütze, einen tollen Tuch oder einer schicken Jacke. Alles Unikate und mit viel Liebe gemacht.
Und ich werde in Zukunft nicht ganz so schnell in einen Wust von Jacken, Pullis und Tüchern versinken. Oder die Schranktür nicht mehr zubekommen

Nummer 7:
Ich habe durchs Stricken viele nette Leute kennengelernt. Stricken verbindet, in manchen finde ich mich wieder, viele bringen mich auf interessante Ideen oder über den ein oder anderen muß ich  einfach nur schmunzeln (ob seiner lustigen und liebenswerten Eigenarten). Ich habe an der Entstehung von Anleitungen mitgewirkt, durch viele von euch tolle Garne kennengelernt und stricktechnisch viel dazu gelernt.
WO sonst gibt es ähnliches?

Nummer 8:
Kreativität!
Ich kann und darf mich entfalten. Ideen ausleben, Muster zusammenstellen oder Anleitungen komplett abwandeln. Es fließt und macht den Kopf frei. Ich erschaffe mit meinen Händen etwas einmaliges und vorher so noch nie dagewesenes. Formen und Farben, die bisher in meinen Kopf gelebt haben, werden zur Realität. Und in jedem Strickstück steckt ein klein wenig meiner selbst.

Nummer 9:
Wolle ist eine gute Investition.
Als Frau vom Fach, kann ich nur zu Wollmeisen, Madelinetosh und Plucky Knitter als alternative Anlagequelle raten. Verlieren nicht ihren Wert, man kann sie anfassen und auch noch was schönes daraus stricken. Und zum Ersatzkuschelpartner taugen sie allemal. Wer braucht schon Aktien und Investmentfonds, wenn es Wollmeisen gibt!

Nummer 10:
Falls ich jemals meinen Mann los werden will, stelle ich einfach das halbe Haus mit Wollkisten voll und parke auf sämtlichen Sitzgelegheiten ein Strickzeugs und stricke 12 Stunden am Tag. Vorher habe ich das gesamte Vermögen in Wolle, Stricknadeln und Anleitungen angelegt (wo es ja gut angelegt ist….)
Kaum ist das passiert, werden mir schon  die Scheidungspapiere ins Haus flattern. (Das Sorgerecht für sämtliche Wollvorräte bekomme natürlich ich!)

Nummer 11:
STRICKEN MACHT EINFACH SPASS!!!

In diesen Sinne noch viele Jahrzehnte fröhliches stricken!
Eure Bettina

Schrödingergleichung: Eine zentrale Grundgleichung der nichtrelativistischen Quantenmechanik.

7 Kommentare »

Die Zopfnadel

Es gibt sie in dünner und dicker Ausführung, aus Metall, Plastik oder Holz. Lange und kurze, gerade oder gebogene und sind ein unerlässliches Hilfsmittel bei Zopf- und Aranmuster. Nur haben diese kleinen Dinger die unangenehme Angewohnheit, nie da zu sein, wenn man sie braucht.

Und ja, ich habe die Methode „Zopfen ohne Hilfsnadel“ ausprobiert, als für mich nicht brauchbar klassifiziert (zu viele Knoten in den Fingern :mrgreen: ) und bleibe deswegen bei der Zopfnadel-Methode. Da bin ich auch um Längen schneller.

Wenn da der Drang dieser kleinen Helfer nicht wäre, einfach zu verschwinden.
Lege ich sie auf den Tisch neben mir, fällt sie garantiert vom Tischchen. Um dann wieder drei Meter vom Ort des Geschehens, unter der kleinen Kommode wieder aufzutauchen. Wie sie das gemacht hat, wird mir wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Hat das kleine Ding Füße, die mit kleinen Schritten unter jeden Kasten, Kommode oder Kästchen dribbeln? Oder Flügeln? Turboantrieb? Ich weiß es nicht.

Stecke ich die Nadel ins Gestrick, rutscht sie mit großer Wahrscheinlichkeit aus diesen wieder hinaus. Und nein, sie liegt jetzt nicht auf meinen Schoß oder neben mir auf der Bank! Sie rutscht auf jeden Fall in irgendeine Ritze des Sofas, was oft zur zum unfreiwilligen Abgang diverser andere Bewohner der Couch führt. Da fliegt dann eine Katze quer durch die Luft oder der Mann oder ein Kind wird einfach von der Kante geschoben. Mit lautstarken Protest der Couchbewohner natürlich.
(„Bist du von allen guten Geistern verlassen?“)
(Kein Kommentar….)
Aber ich muß leider die gesamte Couch zerlegen um das unglückselige, leider im Moment dringend benötigte Hilfsmittel zu finden. Da bin ich hart! Zopfnadel-Stahl-Hart! Da hilft auch Zeter und Mordio nichts.

Oft stecke ich die Nadel in den Pullover, den ich gerade am Leib trage. (Spitzenverziehrungen an Nachthemden haben sich auch schon als hilfreich erwiesen…). Dort ist sie einigermaßen sicher. Aber wehe wenn ich aufstehe! Abrakadabra und sie ist futsch. Warum ich die Nadel dann unter dem Küchentisch finde, der ein Stockwerk unter meinen Strick-Arbeitsplatz steht, kann ich nicht beantworten. Das wird ein ewiges Mysterium bleiben.

Wo habe ich dieses Ding schon gesucht! Geschimpft und geflucht! Wutanfälle und Heulkrämpfe bekommen.Gefunden im Klo (!) oder an anderen, eigentlich sehr unwahrscheinlichen Orten!
Die Zopfnadel führt ein Eigenleben, das steht fest. Was sie wohl denkt? Will sie mich absichtlich ärgern? Oder ist sie einfach nur schusselig? Oder bin ich schusselig? Man weiß es nicht genau 🙄

image

Jetzt habe ich einige Ersatznadeln und warte nur auf den Moment wo alle auf einmal weg sind! Den Tag markiere ich mir dann rot im Kalender! Anschließend lasse ich mich freiwillig in die nächste Psychiatrie einweisen…..

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

12 Kommentare »

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Im Laufe seines Strickerdaseins begegnet man den unterschiedlichsten Leuten mit mehr oder weniger ausgeprägten Eigenheiten.

1. Der Betonstricker
Meist landläufig Brettstricker genannt, der unter Aufbietung seines Lebens das feste Verstricken von Garn verteidigt. Er duldet keine Labberlappen, keine Lücken im Gestrick. Alles muß von alleine stehen und sich ja nicht dehnen lassen. Meist ist er mit kleiner Nadelstärke unterwegs, egal wie dick die Wolle ist. Maschenproben von 30 Maschen oder mehr pro 10cm sind keine Seltenheit.

2. Der Lockerstricker
Das krasse Gegenteils des Betonstrickers. Von Fadenspannung hält er gar nichts, locker führt er den Faden über einen Finger. Oft kreischt er bei den angegebenen Maschenproben, da er meist unfähig ist auf die geforderte Maschenanzahl zu kommen.
Allerdings macht er eine Tugend daraus, strickt meist locker fallende Oberteile oder Tücher, wo das lockere Gestrick nicht ins Gewicht fällt.

3. Die Anleitungsschnorrer
Er hält nichts davon, auch nur einen Cent für eine Anleitung auszugeben. Fleißig schreibt er Bloger und Raveler an, um doch bitte, bitte, bitte an die heiß ersehnte Anleitung zu kommen. Das führt schon dazu, dass manch genervter Bloger einen GROSSEN Hinweiß in seinen Blog setzt „Bitte keinerlei Anfragen wegen kostenpflichtiger Anleitungen“ Allerdings schreckt das den Anleitungsschnorrer nicht wirklich ab. Irgendwann und irgendwo wird er schon Erfolg haben.

4. Der Anleitungsverweigerer
Er strickt grundsätzlich nie nach Anleitung. Es reicht ja auch ein Foto oder die eigenen Idee. Wozu also unnötig Geld ausgeben. Oft führt diese Verweigerung in ein Dasein als Designer. Und somit verdient er auch noch Moneten mit seinen Tick.

5. Der Dauerteststricker
Sieht man sich seine Projektseiten bei Ravelry an, so prangt neben jeden Projektnamen das Wörtchen *testknit*. Beharrlich sucht er nach Testricks, egal welcher Art und Sorte. Wunderlicherweise sind sie in den Testthreads dann niemals präsent, irgendwann taucht das fertige Objekt dann doch auf wundersame Weise aus der Versenkung  auf. Wie das letztendlich passiert ist, liegt meist im Dunkeln.

6. Der Wolljäger
In seinen Stash finden sich nur Wollmeisen, Plucky Knitter und ähnliche begehrte handgefärbte Garne. Was anderes kommt ihm nicht ins Haus. Alles muß rar und schwer zu bekommen sein. Er lauert, wartet beharrlich bis er blitzschnell zuschlägt. Er ist grundsätzlich immer schneller als die anderen und bezüglich *Updates* kann der gemeine Stricker und Wollsammler immer noch was dazu lernen.

7. Der Wollsammler
Sein Stash ist übervoll, nimmt einen Großteil des Platzes seiner Behausung ein. Wolle kaufen ist schöner als Schokolade essen und erzeugt jede Menge Glücksgefühle. Stur verteidigt er seinen Drang Garne zu kaufen. Es könnten ja schlechte Zeiten kommen, der Wollmarkt bricht zusammen, sämtliche Handfärber gehen in Konkurs und so habe man immer genug Wollvorrat, um über Jahrzehnte sich seinen liebsten Hobby widmen zu können.

8. Der Projektkäufer
Das krasse Gegenteil des Wollsammlers. Er hat nie Wolle daheim, außer für das aktuelle Projekt. Oft liest man traurige, tränenvolle Zeilen, dass noch sehnsüchtig auf das Garn gewartet wird, um endlich mit dem Pullover oder Jacke  anfangen zu können. Häufig wird dann in Südafrika oder anderen exotischen Orten bestellt, denn wo zum Teufel bekomme man jetzt im heimischen Lande die handgefärbte von Sonstwem in der xxxx Farbe her???

9. Der WIP-Sammler
Zehn oder mehr angefangene Projekte sind keine Seltenheit. Es wird angeschlagen, Maschenproben gestrickt, Muster ausprobiert, es gibt Bahnprojekte und anspruchsvolles für die Mußestunden.
Kaum sieht er ein neue Anleitung, wird auch schon im Stash gesucht und wieder ist was neues auf den zahlreichen Stricknadeln. Besonders gefährlich ist die Kombination von Woll- und WIP-Sammler. Hier ist oft Gefahr in Verzug.

10. Der Nichtstricker
Ungläubig sieht er diesen bunten Treiben zu, er versteht meist nur Bahnhof und ist oft überfordert mit unerwarteten Wolllieferungen aus Übersee und plötzlichen Wutanfällen des Strickers mit quer durch das Zimmer fliegenden Stricknadeln, Wollknäuel oder Maschenmarkierer. Er wird für verschwundene Zopfnadeln oder weggeworfenen Zettelchen, die wichtige Hinweise des aktuellen Projekts enthalten, verantwortlich gemacht und bekommt so oft den Zorn des Strickenden zu spüren. Nur sein bedingungslose Liebe zum Stricker hält ihm von einen Meuchelmord mittels Stricknadel ab.

Zufällige Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen sind nicht beabsichtigt 🙄 Wer sich dennoch  angesprochen fühlt, der darf auch herzlich lachen.

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

15 Kommentare »

Ribbelmania

Die letze Naht ist geschlossen, Knöpfe sind angenäht und das gute Stück muß nur noch gewaschen und ein bisschen gespannt werden. Stunden saß man strickend da und freute sich auf das erste Ausführen.

Allerdings sehe ich in der Jacke oder Pullover mehr breit als hoch aus, der Busen zu üppig, die Hüften zu breit und der eine Knopf spannt verdächtig. Es könnte etwas länger sein oder die Schultern schmäler. Egal welches Shirt oder welche Bluse darunter getragen, egal welche Hose oder Rock, es ändert nichts an dem grauenhaften Ergebnis! Das Teil ist mißlungen! Passt nicht, steht mir nicht und ich werde es vermutlich nie tragen!
Kennt ihr sowas? Vermutlich schon 🙄

Klar habe ich das unfertige Strickstück anprobiert, mich mehr oder weniger kritisch im Spiegel betrachtet. Aber oft fehlt der wirklich, also der so wirklich, echte kritische Blick und unfertig sieht ja oft komisch aus. Selbst mit sehr viel Erfahrung, kann ich nicht immer 100% voraussagen, ob ich mich in den Teil auch wohlfühlen werde. Bei komplizierten und ungewöhnlichen Konstruktionen ist die optimale Passform oft eine unlösbare Angelegenheit und dann geht das ganze Experiment in die Hose.

Da hilft dann alles nichts, es muß geribbelt werden! Das Grauen jeder Strickerin. Bei mir muß das misslungene Unding immer etwas abliegen, bevor es das zeitliche segnet. Gleich nach der Fertigstellung bringe ich das Vernichten nicht übers Herz. Auch wenn ich darin aussehe wie Quasimodo, es ist doch mein Baby in das ich viele Arbeitsstunden gesteckt habe.

image

Das waren einmal ein gestreiftes Kleid. Aus einer Rebecca. Liegend sah es toll aus, keine Frage. Mit ungewöhnlichen quer laufenden breiten Streifen. Pfuh, ich sah darin aus wie eine italienische Matrone mit unglaublich breiten Hüften! Oder wie der Hintern meines (durchtrainierten) Pferdes. Was bei einem Dressurpferd wünschenswert ist, will ich an mir nicht sehen. Einfach grässlich! Als hätte ich zuviel Pasta gefuttert (oder anstrengende versammelnde Dressur- Lektionen absolviert. Ohne Pferd) Und ich bin ohnehin nicht der knabenhafte Typ von Frau. Ein Jahr lag es im Schrank, jetzt ist es Geschichte und ein lässiger Streifenpulli kommt sicher auch gut :mrgreen:

image

Es war einmal ein Pulli mit Polokragen und schlichten Muster aus einem sehr schöner Baumwoll/Seidenmischung in einem leckeren Karamell-Ton. Der ist auch längst nur mehr ein flüchtiger Gedanke. Da habe ich bei der Passform derart geschlampt, zu kurz, zu weit, Ärmel saßen schlecht. Da half alles zerren und zurecht rücken nichts. Weg damit! Hat allerdings auch ein gutes Jahr gedauert, bis der Pulli zu Grabe getragen wurde.

image

Hier nun das aktuelle Ribbelprojekt. Feinster Kaschmir im Gewand einer für mich unvorteilhaften Jacke, wieder zu kurz und zu gerade geschnitten. Ich sah damit mehr breit als hoch aus. Der klägliche Rest wird auch noch aufgetrennt und zur Haube und Cowl verarbeitet. Für eine ordentlich lange und weite Outdoorjacke ist es zu wenig Garn und für ein kleines Jäckchen mit 3/4 Ärmel ist die Wolle zu dick.
Das ist mein allererstes Kaschmirgarn, dass ich mir geleistet habe. Da ich meine gekauften Kaschmirpullover liebend gerne trage, mußte es auch mal was handgestricktes sein. Nun, das ist wohl etwas daneben gegangen 🙄
Die Jacke hatte ich nie, aber auch wirklich nie an! Ein sehr teure Schrankleiche. Ein Wunder, dass die Motten nie zum Festmahl aufgerufen haben.

Um mal auf Holz zu klopfen, allzu oft passieren mir solche Maleure nicht. Manchmal arrangiere ich mich mit zu viel Weite oder zu wenig Länge. Ist es halt ein Kuschel-auf dem Sofa-total bequem Pulli. Oder ein langes Shirt darunter kaschiert schon mal die fehlende Länge. Fehlende Länge ist wohl ein Generalproblem von mir. Wohl zu faul um noch 5-10 cm dranzuhängen. Aber wenn ich schon alle 5min nachmesse…. Aber solange ich mich darin leiden kann und mich wohlfühle, ist alles gut. Bin ja auch nicht perfekt. Aber manchmal ist das Ribbelmonster einfach nicht aufzuhalten und kommt auf leisen, bösen Füssen um uns zu erschrecken.

Und ribbelt ihr oft? Bekommt ihr die Passform immer hin oder gibt es bei euch auch Teile, wo ihr nach einen Blick in den Spiegel am liebsten schreiend davon rennen möchtet?

Leider habe ich ja letztes Jahr eine Jacke produziert, worin ich aussehe wie mit 500 kg mehr auf den Rippen. Ich will eigentlich gar nicht drüber reden (Stricktrauma!), sie ist ja so schön und die Wolle ein Traum. Ich könnte allerdings den Spiegel vernichten wenn ich mich darin betrachte. Ich bin in Stricktrauer und irgendwann, ja irgendwann…..wird sie auch geribbelt!!!!!!

Gehabt euch wohl
Eure Bettina

7 Kommentare »